Wer entscheidet, was ich lerne?

Meine Erfahrungen in der Colearning Academy

Das Titelfoto stammt von Colearner Fredi Zumbrunn

Was in der Schweiz als Weiterbildung gilt, folgt einem festen Muster: Ein Anbieter legt fest, was zu lernen ist, die Teilnehmenden absolvieren das Programm und erhalten ein Zertifikat. Was auf dem Programm steht, ist entschieden, bevor jemand beginnt. Ich arbeite in der Colearning Academy daran mit, dass Erwachsene einen anderen Weg gehen können. Davon erzählt dieser Blogpost.

Ein Tag, der nicht nach Plan lief

Für einen Colearning-Tag im Effinger in Bern hatte ich alles vorbereitet: einen geführten Einstieg, danach die Einführung in eine Arbeitsmethode, dahinter einen durchdachten Ablauf bis zum Abend. Weiter als bis zur Methode bin ich nicht gekommen. Die Teilnehmenden wehrten sich. Gegen den Inhalt hatten sie nichts, er war gut vorbereitet. Sie wehrten sich dagegen, dass mein Programm den Raum besetzte, den sie für ihr eigenes Lernen gesucht hatten. Sie waren gekommen, um an ihren Vorhaben zu arbeiten, und ich hatte ihnen ein Curriculum mitgebracht.

An diesem Tag habe ich mehr gelernt als sie. Seither verstehe ich meine Aufgabe als Lerncoach noch konsequenter als Facilitating: den Lernraum offenhalten, ohne ihn zu füllen. Die Szene zeigt aber noch mehr. Die Grammatik, nach der Lernen seit der Schulzeit organisiert ist, sitzt so tief, dass sie sich auch dort wieder einschleicht, wo alle angetreten sind, um sie hinter sich zu lassen. Mit Grammatik meine ich die Grundordnung, die alle Stufen unseres Bildungssystems teilen: Ein Lehrplan legt fest, was zu lernen ist, die Lernenden absolvieren ihn, weisen das Gelernte nach und erhalten einen Abschluss. Wie die Grammatik einer Sprache wirkt sie, ohne dass jemand an sie denkt. Zugleich spüren Erwachsene sehr genau, wann ihnen ein Lernraum gehört und wann nicht. Was in einer gewöhnlichen Weiterbildung niemand beanstandet hätte, haben sie zurückgewiesen.

In meiner Arbeit als Mitgründer und Lerncoach der Academy sehe ich Entwicklungen, die weit über Beruf und Arbeitswelt hinaus in die eigene Biografie reichen, getragen von eigener Entscheidung. Diese Erfahrung ist der Anlass dieses Blogposts. Ein Viertel des 21. Jahrhunderts liegt hinter uns, und künstliche Intelligenz ordnet Arbeit und Leben in einem Tempo neu, mit dem kein Lehrplan Schritt hält. Was wir heute Weiterbildung nennen, antwortet darauf mit mehr vom Bisherigen: mehr Kurse, mehr Module, mehr Zertifikate. Die folgenden Abschnitte erzählen, wo dieses Modell an seine Grenzen kommt, und zeigen an jeder Stelle, wie ein anderer Weg aussieht.

Was die Colearning Academy ist

Die Colearning Academy gibt es, weil sie die Grammatik der üblichen Weiterbildung ablösen will. Ich habe sie mitgegründet. Getragen wird sie von YOLU in Bern, auf der Grundlage von colearning.org, einem Verein, der Lernen aus der schulischen Grammatik lösen und Lern- und Arbeitswelt neu verbinden will. Die Academy richtet sich an Erwachsene mit Berufserfahrung. Wer dort lernt, bringt ein eigenes Vorhaben mit: ein Projekt im Betrieb, eine berufliche Neuorientierung oder eine Frage, die das eigene Leben stellt. Daraus entwickeln die Teilnehmenden mit einem Lerncoach ihren eigenen Lernplan. Der Weg gliedert sich in sechs Module von einem oder zwei Monaten, jedes mit zwei Lerncoachings und zwei Colearning-Tagen. Pausen sind möglich, und nach jedem Modul entscheiden die Teilnehmenden neu, ob sie weitergehen. Zu den Colearning-Tagen kommen nicht nur die Teilnehmenden des CAS. Eingeladen sind alle, die sich als Colearnerinnen und Colearner verstehen: Alumnae und Alumni, Mitarbeitende von YOLU, Kolleginnen und Kollegen aus der Coworking-Community im Effinger. Wie viel Zeit sie dort für sich und wie viel gemeinsam mit anderen lernen, entscheidet jede und jeder selbst. Was die Teilnehmenden lernen und bewirken, halten sie in einem Portfolio fest, einer eigenen Website auf Lilo Page, die ihnen auch nach dem Abschluss gehört. Am Ende steht ein CAS, das ihren Weg in einer vertrauten Sprache benennt. Ein Modul kostet CHF 885, der ganze Weg CHF 5’595.

Wozu eigentlich?

Warum bilden sich Menschen weiter? In der Schweiz kommt die Antwort schnell: für die nächste Stelle, die nächste Lohnstufe, das nächste Zertifikat im Lebenslauf. Die Zahlen bestätigen das. Im Mikrozensus Aus- und Weiterbildung 2021 nannten rund zwei Drittel der Teilnehmenden ausschliesslich berufliche Gründe, rein ausserberuflich motiviert war nur etwa jede zehnte Person. Weiterbildung heisst hierzulande Karriereplanung oder wenigstens: den Anschluss nicht verlieren.

Das klingt vernünftig und hat doch eine Nebenwirkung, die selten zur Sprache kommt. Wer jahrelang so fragt, beginnt sich selbst so zu sehen. Was einen Menschen interessiert, was ihn beschäftigt und was sein Leben trägt, zählt nur noch, soweit es sich beruflich verwerten lässt. Der Soziologe Ulrich Bröckling nennt diese Figur das unternehmerische Selbst: Der Lebenslauf wird zur Bilanz, jedes Zertifikat zu einem Posten darin. Was sich nicht verbuchen lässt, Freundschaft, Musse oder die Frage nach dem Sinn, verschwindet aus dem Blick oder kehrt als Kursangebot zurück, als Achtsamkeitstraining gegen Stress oder als Soft Skill.

In der Colearning Academy beginnt der Weg auf der anderen Seite. Am Anfang steht die Frage, die jemanden gerade umtreibt, beruflich oder persönlich, oft beides zugleich. Eine berufliche Entwicklung kann daraus folgen; sie ist weder Voraussetzung noch ein von aussen gesetztes Ziel. Wie das wirkt, hat eine Teilnehmerin nach sechs Monaten so beschrieben:

«Er hat mich ermutigt, meine Talente zu entfalten, mein Selbstbewusstsein gestärkt und mich auf meinem Weg unterstützt. […] Wer die Chance hat, mit Christoph zu arbeiten, wird nicht nur beruflich, sondern auch persönlich bereichert.»

Christine Feld, Referatsleiterin bei der Erzdiözese Freiburg, November 2024

Alles durchlaufen, um weniges zu lernen

In Gesprächen über viele Jahre habe ich von Menschen, die eine Weiterbildung hinter sich hatten, immer wieder dieselbe Geschichte gehört. Zwei, drei Themen hätten sie wirklich interessiert. Um diese zu bekommen, haben sie das ganze Programm gekauft, Modul um Modul absolviert, Leistungsnachweise erbracht und am Ende ein Zertifikat erhalten, das bescheinigt, dass sie alles durchlaufen haben. Was auf dem Programm stand, konnten nicht sie selbst bestimmen. Das hatte der Anbieter für sie festgelegt.

Das Muster ist vertraut, es ist die Grammatik der Schule. Volksschule, Berufsschule, Hochschule und Weiterbildung folgen derselben Ordnung, und auch die viel gelobte Flexibilisierung ändert daran wenig. Wahlmodule und Mikrozertifikate machen die Einheiten kleiner, festgelegt sind sie weiterhin im Voraus und von anderen. Ein Curriculum ist für eine Kohorte gebaut, die es nicht gibt. Dahinter steht die Annahme, andere wüssten besser als die Person selbst, was sie braucht.

An dieser Stelle haken regelmässig Fachleute aus der Weiterbildung ein: Es gebe doch Situationen, in denen andere besser wissen, was jemand gerade braucht. Hier scheiden sich die Wege. Fachleute wissen oft mehr über ihre Sache, und ihr Rat kann wertvoll sein. Über die eigene Lage, die eigenen Fragen und das, was sie aufnehmen, wissen Menschen jedoch selbst am meisten. Was sie am Ende lernen, entscheidet sich ohnehin bei ihnen, gleichgültig, was ihnen vorgeschrieben wird.

Die Schule hat uns tief eingeprägt, dass Lernende gar nicht wissen können, was sie brauchen, und dass es deshalb Lehrpersonen, Lehrpläne und Unterricht braucht. Colearning setzt bei der umgekehrten Überzeugung an: Fachleute und Begleitung bieten an, spiegeln und öffnen Zugänge, die Entscheidung bleibt bei der Person.

Die Academy dreht dieses Verhältnis also um. Der Satz, mit dem sie sich vorstellt, bringt es auf den Punkt: «In klassischen Weiterbildungen folgst du dem Plan. Bei uns folgt der Plan dir.» Thema, Ziel und Weg entstehen aus dem Vorhaben. Das Tempo bestimmen die Teilnehmenden selbst. Zwischen zwei Modulen ist auch ein längerer Unterbruch möglich, wenn Arbeit oder Leben es verlangen, und nach jedem Modul fällt die Entscheidung über das nächste neu. Was sie braucht, entscheidet die Person, die lernt; die Begleitung hilft ihr, es herauszufinden und unterwegs neu zu fassen.

Vorratswissen in einer Welt, die sich monatlich ändert

Die meisten Weiterbildungen funktionieren wie ein Vorratskeller. Gelernt wird, was später vielleicht gebraucht wird, nach einem Lehrplan, der über Jahre entwickelt und akkreditiert wurde. Tragfähig war diese Logik nie; Jetzt macht KI unübersehbar, wie wenig sie trägt. KI-Systeme erledigen inzwischen selbständig Aufgaben, für die Menschen mehrere Stunden brauchen, und dieser Wert hat sich seit 2024 etwa alle drei Monate verdoppelt (METR). In der Schweiz ist die Arbeitslosigkeit in stark KI-exponierten Berufen seit Herbst 2022 deutlich stärker gestiegen als in anderen (KOF ETH Zürich), und der Anteil ausgeschriebener Junior-Stellen ist um rund ein Drittel gesunken (jobs.ch). Gerade dort, wo bisher im Arbeitsprozess gelernt wurde, fallen Einstiegsstellen weg.

Was jetzt gebraucht wird, lässt sich nicht auf Vorrat anlegen: mit KI arbeiten und ihre Ergebnisse prüfen, mit Ungewissheit umgehen, eigene Vorhaben entwickeln, die eigene Entwicklung steuern. Solche Fähigkeiten wachsen im eigenen Tun und im Austausch mit anderen. Hier löst Colearning, unabhängig von KI, den Kern der alten Grammatik ab: Ein System, das Ziele, Wege und Nachweise vorgibt, kann nicht die Fähigkeit hervorbringen, die eigene Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen.

Colearning setzt dort an, wo das Lernen gebraucht wird: am laufenden Vorhaben, an der Frage, die sich jetzt stellt. Gelernt wird im Moment des Bedarfs. Lerncoaching, Lernen und das eigene Tun laufen in einem Prozess zusammen. Was sonst auf Laufbahnberatung, Kursangebot und Arbeitsplatz verteilt ist, hält die Person selbst zusammen. Allein ist sie dabei nicht: Ein Lerncoach begleitet sie, und andere Colearnerinnen und Colearner gehen ein Stück des Weges mit.

Noch ein Zertifikat

Kaum taucht in der Schweiz eine neue Herausforderung auf, folgt das passende Zertifikat. MAS, DAS, CAS und seit Kurzem SAS, Short Advanced Studies. Wohin diese Logik führt, zeigt ein Beispiel: An der Hochschule Luzern gibt es solche Kurzprogramme zur Vorbereitung auf ein Doktorat, drei ECTS-Punkte für 960 Franken. Das Angebot mag für sich sinnvoll sein; bemerkenswert ist, dass nun selbst die Vorbereitung auf die höchste akademische Qualifikation zertifiziert wird. Daran lässt sich ablesen, wie der Kreislauf funktioniert: Die Institution legt die Kategorien fest, verkauft die Vorbereitung darauf und bestätigt anschliessend, dass sie erfüllt wurden. Eine Instanz ausserhalb dieses Kreislaufs, die Kompetenz anders sichtbar machen könnte, ist nicht vorgesehen. Davon hängen auch Arbeitgebende ab, die ja Kompetenz einschätzen müssen: Sie lesen Zertifikate, weil ihnen bisher kaum ein anderes Mittel zur Verfügung steht.

Kompetenz zeigt sich jedoch zuerst in dem, was jemand tut, gestaltet und verantwortet. Beurteilen kann sie am besten, wer mit dieser Person zusammenarbeiten will. In der Academy kommt die Rückmeldung deshalb in erster Linie aus echten Projekten: von Auftraggebenden, Kundinnen und Kunden oder Fachleuten in deren Betrieben. Lerncoaching und Mentorat helfen, diese Rückmeldungen einzuordnen und nächste Schritte abzuleiten. Die Academy öffnet Türen und hält den Rahmen.

Wie das geschieht, habe ich auf einer Exkursion erlebt. Das Team von YOLU organisiert regelmässig Colearning-Tage an Orten, an denen anders gelernt und gearbeitet wird, an diesem Tag in der Stadtrandschule in Schaffhausen, die eine inklusive Lern-, Ausbildungs- und Arbeitskultur lebt. Es gab kein Referat über Colearning und keine Gruppenarbeit dazu. In Begegnungen, Einzelgesprächen und Diskussionsrunden entstand ohne Umweg ein gegenseitiges Interesse, das im Lauf des Tages immer verbindlicher wurde, und mit ihm wurde sichtbar, was Colearning ausmacht. Daraus ist eine Kooperation zwischen der Geschäftsleitung der Stadtrandschule und YOLU entstanden. Die Schule interessiert sich für die Portfolioarbeit, bei der Colearnerinnen und Colearner mit Lilo Page ihren Weg selbst gestalten und verantworten und ihren Lernfortschritt für sich und andere sichtbar machen.

Auch das CAS am Ende des Weges gehört in dieses Bild. Es übersetzt einen offenen Weg in eine Sprache, die Arbeitgebende und Umfeld verstehen, und erleichtert es, eine Mitfinanzierung zu begründen. Der feste Umfang von rund 40 Stunden pro Modul dient demselben Zweck: Eine benannte Stundenzahl hilft, Lernzeit gegenüber Arbeitgebenden und Familie zu schützen. Was der Weg den Teilnehmenden eigentlich bringt, zeigt sich im realisierten Vorhaben und im Portfolio.

Lernen und verlernen

Mein Lerneffekt am Colearning-Tag im Effinger, von dem ich zu Beginn erzählt habe, zeigt, wie tief die alte Grammatik sitzt, selbst bei denen, die begleiten. Sie wirkt ebenso bei denen, die lernen. Viele Erwachsene haben Schuljahre, eine Ausbildung und mehrere Weiterbildungen hinter sich, in denen immer jemand anderes wusste, was zu lernen war. Wo ihnen plötzlich Raum gelassen wird, reagieren manche zuerst mit Verunsicherung. Diese Verunsicherung belegt die Wirkung dessen, was sie durchlaufen haben, und sagt über ihre Fähigkeiten wenig. Nassim Nicholas Taleb hat dafür ein Bild gefunden: Professoren, die Vögeln das Fliegen erklären und anschliessend überzeugt sind, die Vögel flögen ihretwegen. Institutionen halten gern für das Ergebnis ihrer Lehre, was Menschen selbst entwickeln.

Colearning macht den Übergang vom Belehrt-Werden zum selbstbestimmten Lernen deshalb selbst zum Gegenstand der Begleitung. Colearning-Tage und Coaching geben Rhythmus, die Gemeinschaft gibt Resonanz, Portfolio und Badges schaffen selbstverantwortete Sichtbarkeit. Inhalte und Wege geben sie nicht vor. Das verlangt auch von denen, die begleiten, ein Verlernen. Aus meiner Biografie als Lehrer und Referent bringe ich eine Haltung mit, die überall dazu neigt, zu bewerten, zu beurteilen und einzuordnen. In der Academy habe ich gelernt, sie zurückzunehmen, auf die knappe Formel gebracht: nicht interpretieren, nur spiegeln. Begleiten heisst hier, Räume zu öffnen und offenzuhalten und allenfalls die eigene Erfahrung als Spiegel anzubieten, mehr nicht.

Wie gegenseitig dieses Lernen ist, habe ich in zwei Podcasts mit Joscha Tschanz erfahren, der sich bei YOLU zum Mediamatiker ausbildet. Lernende übernehmen dort schon während der Ausbildung unternehmerische Verantwortung und gestalten die Colearning-Aktivitäten mit, denn Colearning versteht Jugendliche und Erwachsene als gleichwürdige Colearner. Im ersten Podcast hat Joscha mich interviewt, im zweiten ich ihn, jeweils zu Wendepunkten der eigenen Lernbiografie.

Im Interview mit Joscha hat mich beeidnruckt, wie sehr sein Lernen von Serendipität lebt, vom glücklichen Fund dessen, wonach niemand gesucht hat. Auf diese Weise löst sich ein, was entdeckendes Lernen eigentlich meint, und es trifft den Kern menschlichen Lernens überhaupt. Als er mich interviewte, fragte Joscha weniger nach Bildungstheorie als nach dem Menschen dahinter: nach den Brüchen auf meinem Weg und danach, wie ich durch sie hindurch neugierig und frei geblieben bin. Darin habe ich vor allem Wertschätzung erfahren, getragen von einem ungeschuldeten Interesse. In beiden Gesprächen sassen sich zwei Colearner gegenüber, die einander mit Neugier begegneten.

Warum wir lieber von Lernen sprechen

Colearning verwendet den Begriff Bildung kaum und spricht von Lernen. Das hat Gründe. Im Alltag gilt ein gebildeter Mensch als ausgebildeter, ein ausgebildeter als zertifizierter, und der Bildungsstand, mit dem die OECD Länder vergleicht, ist der höchste erreichte Abschluss. Der Bildungsphilosoph Jörg Ruhloff hat Bildung dagegen als «das kritische Bedenken und die Infragestellung all dessen» bestimmt, was uns durch Sozialisation, Lernen und Erziehung zugeflossen ist (Ruhloff, S. 29). Was Ruhloff meint, beschreibt Colearning als selbstbestimmtes Lernen am eigenen Vorhaben. Der Verzicht auf den Begriff Bildung will die Sache freihalten von der Grammatik, die sich mit dem Wort verbunden hat.

Deutlich wird das auch an den Abschlussfeiern der Academy. Die Teilnehmenden fassen ihre Lernreise in Form einer Schatzhebung zusammen, präsentieren, was sie entdeckt haben, und dann wird gefeiert.

Ein Video einer Abschlussfeier macht erfahrbar, was dieser andere Weg für die Menschen bedeutet, die ihn gehen.

Video: Abschlussfeier der Colearning Academy auf YouTube ansehen

Was wir heute Weiterbildung nennen, wird sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern müssen. Offen ist, ob diese Veränderung als weiteres Angebot kommt oder als andere Grammatik. Die Colearning Academy zeigt, dass die andere Grammatik bereits gelebt wird.

Sieben Beobachtungen zum eigenen Lernweg

Vielleicht ist beim Lesen die Frage aufgetaucht, ob auch der eigene Lernweg anders aussehen könnte als bisher. Mir helfen die folgenden Beobachtungen, diese Frage für mich offenzuhalten. Sie wachsen aus meiner Arbeit in der Academy und aus meinen eigenen Umwegen. Wer mag, kann sie als Spiegel nehmen: für ein Angebot, das gerade lockt, oder für den Weg, auf dem er oder sie schon unterwegs ist.

  • Er beginnt bei der eigenen Lebens- und Arbeitssituation und nicht beim Katalog eines Anbieters.
  • Ein wirkliches Vorhaben, eine Frage oder eine Krise gibt den Anlass, beruflich wie persönlich.
  • Das Curriculum entsteht im Gehen und wird als Spur dokumentiert.
  • Kurse, Fachleute, Literatur und KI sind Ressourcen, die nach Bedarf gewählt werden.
  • Verbindlichkeit entsteht aus Rhythmus, Begleitung und Gemeinschaft, ohne Prüfungstermine als Taktgeber.
  • Kompetenz zeigt sich im Werk und wird von einem Gegenüber bestätigt, das mit mir zusammenarbeiten will.
  • Anlass, Ziel und Weg werden regelmässig überprüft; ein geänderter Weg gilt als Ergebnis.

Quellen

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Autor: Christoph Schmitt

Bildungsaktivist | LinkedIn Top Voice | Colearner | TEDx Speaker | Bildungsdesigner | Bildungsethiker | systemischer Coach & Supervisor | Rituals Expert | Blogger | Nörgler | Ressourcenklempner. Ich unterstütze alles, was mit Aus- und Aufbrechen aus Beschulung zu tun hat. Für Jung UND Alt. Meine Kernkompetenz: Entwicklung ganzheitlich begleiten, moderieren, inspirieren.

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