Schule, worauf wartest Du?

Auf Schule kommt ein tiefgreifender Wandel zu. Sie ist nicht mehr Nadelöhr, nicht mehr Gatekeeperin, die bestimmt, wer und was vorkommt. Sie sieht ihre Funktion nicht mehr in Selektion von Wissen und Menschen, sondern in der Organisation und Ermöglichung von Begegnung, Vernetzung, Austausch.

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Bildung und Erziehung ruhen in unseren Köpfen und in der realen Gesellschaft auf zwei Säulen: Schule und Familie. Beide stehen momentan enorm unter Druck. Es werden hohe Anforderungen an sie gestellt und Erwartungen, die beide immer weniger erfüllen können, weil sowohl Familie als auch Schule mit Vorstellungen behaftet sind und mit Kopfbildern, die aus einer anderen Zeit stammen.

Zwar verändert sich der Alltag von Familien (und Elternsein) schon länger. Beschleunigt nicht zuletzt durch ökonomische Entwicklungen: neue Berufsbilder, flexible Arbeitsbedingungen, Job-Akkumulationen, und auch weil sich Rollenbilder, Gender- und Beziehungskulturen verändern: Unsere Selbstbilder sind stark in Bewegung geraten. Da kommen nicht alle „so einfach“ mit, manch eine:r erlebt sich überfordert, weil die teils fundamentalen Neu- und Umdeutungen in unseren Geschlechter- und Familienbildern ziemlich viel Flexibilität, Offenheit, Auseinandersetzung und Toleranz fordern – und die schüttle ich nicht aus dem Ärmel.

Schule als Kreativwerkstatt des kulturellen Wandels

Schule kann da helfen, unterstützen und entlasten, indem sie kulturelle Entwicklungen nicht nur inhaltlich thematisiert, sondern ihnen auch anders Raum gibt: Schule kann sich zu einem Netz von Netzwerken mausern, in dem Kinder und Jugendliche kulturellen Wandel in all seiner Buntheit und sich selber mittendrin ganz selbstverständlich erleben, gestalten und reflektieren.

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Auf Schule kommt damit ein tiefgreifender Wandel in ihrem Selbstverständnis zu. Sie ist nicht mehr das Nadelöhr, nicht mehr die Gatekeeperin, die bestimmt, wer und was vorkommen soll und nicht. Sie sieht ihre Funktion und Aufgabe nicht mehr in der Selektion von Wissen, Information und Menschen, sondern in der Organisation und Ermöglichung von Begegnung, von Vernetzung, von fortwährendem Austausch, von Erkundung, Expedition und Serendipität, von Persönlichkeitentfaltung und Welterschließung. Damit dies möglich wird, werden sich Bildung und Erziehung zukünftig auf viel mehr Säulen stützen als heute. Sie werden immer mehr (und immer schneller) zu einem Auftrag, der zivilgesellschaftlich von viel mehr Schultern getragen wird, um ihn überhaupt leisten zu können.

Diese fundamentale Veränderung kann und will sich im Moment noch niemand so recht vorstellen. Gerade während der aktuellen Pandemie wird deutlich, wie sehr wir Lernen und Bildung noch immer auf zwei Pole reduzieren: Schule – und im Notfall zuhause.

Innovative Lerngemeinschaften (z.B. die Agora-Schulen in den Niederlanden oder die learnlife community), die die Zeichen der Zeit erkennen und entsprechend deuten, machen Lernen und Bildung hingegen zu einem fortwährenden Ereignis, das in viele kulturelle, gesellschaftliche und ökonomische Welten diffundiert – aber nicht „verdampft“. Sie bilden vielmehr Netzwerke, wo bis anhin klare Grenzen waren: hier Schule, dort der Rest der Welt.

Schule neu gemacht

Hier und da lese ich den Vorschlag, jetzt endlich Schule neu zu denken. Doch das ist eben längst an vielen Orten dieser Welt passiert und wird deshalb bereits neu gemacht. Die vielfältigen, sich überschlagenden Diskurse über Schule bei uns hier bringen die aktuelle und einigermaßen festgefahrene Bildungsproblematik also erst dann vom Fleck, wenn sie sich trauen, radikale Alternativen zu praktizieren.

Jetzt geht es um eine neue Praxis von Schule, Bildung und Lernen, die

-> die radikal sich verändernden Lebens- und Arbeitswelten von Familien, Eltern und Kindern ins Zentrum ihrer Aktivitäten gestellt hat;

-> die losgekommen ist von der klassischen Überzeugung, dass Bildung in einer Gesellschaft nur in der jetzigen Struktur und Form und deshalb auch nur von Schule geleistet werden (können) soll;

-> die alten Zöpfe abgeschnitten hat, an denen Schule bis heute hängt, und die sie so unbeweglich machen.

Konkret:

  • Nicht mehr darauf schielen, wie Lernen irgendwie bewertet und benotet werden könnte, sondern mal denen über die Schulter kucken, die jungen Leuten helfen, ihre persönliche Entwicklung anders einzuschätzen: resourcenorientiert und auf Resilienz fokussiert.
  • Nicht mehr Kinder und Jugendliche unterschiedslos in gleiche Jahrgangsgruppen stopfen, sondern sie (sich) selbst mitmischen lassen, sich finden lassen als Teil ihres Entwicklungsprozesses; nicht als Vorspiel, sondern als Bestandteil des Prozesses. Statt Klassen bilden Menschen neigungs- und projektbasierte autonome Gruppen. Sie nutzen die Heterogenität und die Zonen der nächsten Entwicklung nach Lew Wygotski.
  • Nicht mehr unterrichten. Wo diese Linearität wegfällt, beginnt das Lernen zu mäandern. Statt Fremdsteuerung entwickelt sich Selbststeuerung von Individuen, Gruppen und Prozessen. Statt Vermitteln entwickelt sich Erforschen & Ermitteln. Statt strukturellen, inhaltlichen und zeitlichen Vorgaben zu folgen, entwickeln Menschen kollaborative Prozesse. Statt sich disziplinarischer Kontrolle zu unterwerfen, entwickeln sie ein differenziertes Verhältnis zu ihren eigene Bedürfnissen und zu denen ihrer Mitmenschen.
  • Statt Lernende linear mit einem Wissenskanon zu versorgen, erschließen die sich von Grund auf & kokreativ die Welten gemäß ihres Entwicklungsstands, ihrer Interessen, Neugier und Potenziale. Sie organisieren sich das Wissen, das sie brauchen, um die ihnen entsprechenden Kompetenzen und Literacies zu entwickeln.
  • Statt weiterhin auf synchrone Präsenz zu pochen, ermöglicht Schule den Lernenden – der Ungleichzeitigkeit ihres Lernens geschuldet, ihrer eigenen Lernzeit und ihren eigenen Lerninteressen, Schwerpunkten und Vertiefungen zu folgen. Lernzeiten werden nicht mehr an Präsenz und nicht mehr an Gleichzeitigkeit gebunden. Menschen organisieren sich und ihre Lernprozesse durch vernetzende Indivualisierung.

Lust loszulegen? Dann hier reinhören und Kontakt aufnehmen:

https://open.spotify.com/episode/6ObwTWp792l8Sdceb4brev?si=J-BV6pOfQ1-HL76nbsYKUA

„Nicht so limitiert sein im Kopf“

So lautet ein Fazit des Start Up Gründers Nils Reichardt, den Rona van der Zander in ihrem Podcast interviewt hat zu seinen Erfahrungen an den Schnittstellen von Schule und allem, was es sonst noch gibt im Leben. Im Gespräch kommt zum Ausdruck, warum es da einen krassen Unterschied gibt – und was es statt Schule eigentlich braucht, um zukunftsfähig zu werden als junger Mensch. Selten habe ich eine so klare Analyse gehört, wie hier von einem Vertreter jener Generation, die für die Zukunft steht. Hellwach, unaufgeregt, kompetent.

Nils ist 17 Jahre alt und erfolgreicher Gründer. Bei „Start Up Teens“ haben er und sein Team mit der Schulapp „Sharezone“ gewonnen – die App ist seit kurzem in der Open-Beta mit bereits +1.200 registrierten Nutzern. Im Podcast geht es um die Frage, vor welchen Herausforderungen junge Gründer stehen und woher sie sich die erforderlichen Fähigkeiten für ihr Start Up geholt haben.

Wir haben ein Problem. Wir lösen es.

Alles beginnt damit, dass ein paar Leute vor einem Problem stehen, das sie nervt, und sie tun alles, um möglichst rasch für dieses konkrete Problem eine Lösung zu finden. Ich würde meinen, das ist „Entrepreneurship from scatch“.

Zu diesem Zweck bringen sie sich jetzt all das bei, was sie brauchen – und zwar selber und in Windeseile. Erwähnenswert: außerhalb der Schule, und also für viele noch immer „in Konkurrenz“ zu dem, was in diesem Alter für sie wichtig sein sollte („Mach einen guten Abschluss, Kind!“). Dieses Argument hören wir ja seit den FridaysForFuture wieder alle Nase lang.

Die Gründer sehen sich also damit konfrontiert,  dass sie auch Lösungen für jene Probleme entwickeln müssen, die bei der Lösung des Problems erst auftauchen: Konfligierende Zeitbudgets und unterschiedlichen Systeme unter einen Hut zu bringen, die so gut wie nichts gemeinsam haben: Hier das Mindset Schule, dort die Dynamik der Start Up Welt. Konkret erläutert Reichardt diese Herausforderung am Beispiel des Datenschutzes – der ist ja bekanntlich die Innovations-Guillotine des gesamten Bildungssystems.

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Wie unterstützt Schule bei so einem Projekt?

Unterstützung kommt offenbar nicht so sehr von der Schule als aus der start-up-Ecke – und auch nur dann, wenn sich die Initianten konsequent selber darum bemühen, und zwar in ihrer „Freizeit“ – obwohl sie ein Berufskolleg besuchen mit dem Schwerpunkt Mathematik und Informatik. Nach Aussage von Nils Reichardt bestand die Unterstützung des Lehrkörpers vor allem darin, sie auf die Probleme hinzuweisen, die mit einer solchen App aus Sicht der Lehrerschaft verbunden sind. Was tun die Gründer? Sie bauen diese Informationen geschickt in ihr Projekt ein, indem sie aus ihren Lehrern kurzerhand Kunden machen, die sie in den Entwicklungsprozess einbeziehen – wie im richtigen Start Up Leben auch.

Was lernt ihr eigentlich bei so einem Projekt?

Die Aufzählung klingt vielfältig und so gar nicht einseitig: Ideen präsentieren können, netzwerken, sich auf entsprechenden Events umsehen und umhören, sprich: sich informieren, mit Experten ins Gespräch kommen, Projekte planen, Programmieren, sich Wissen im Internet besorgen, online-Kurse belegen. Nils Reichardt empfiehlt hierzu ganz konkret das Angebot des Hasso Plattner Insituts und das von udemy.

Diese vom Fachjargon zu den „Kernkompetenzen des 21. Jahrhunderts“ gezählten Fähigkeiten bringen sie sich also nicht nur außerhalb der Schule in ihrer „Freizeit“ selber bei. Sie lernen es nach eigenen Aussagen auch viel schneller als im regulären Schulbetrieb, weil sie es unmittelbar und konkret anwenden können und deshalb auch (oder erst) einen Sinn hinter dem sehen, was sie lernen müssen, um so ein Projekt erfolgreich zu machen. In der Schule hingegen sei „sehr oft nicht klar, warum man Sachen lernt“, so Reichardt im Gespräch.

Aber Schule macht doch auch Gruppenarbeiten?

Auch hier winkt Reichardt ab: Die Art von Gruppenarbeiten in der Schule hätten nichts mit dem zu tun, was du in einer Gruppe tust, wenn du ein solches Projekt durchziehen willst. Das sei etwas komplett anderes – und auf einer ganz anderen Ebene.
Wichtig für das reale Projekt sei, dass man professionell kommunizieren kann, z.B. im Bildschirmfoto 2019-04-24 um 14.42.29Kontext der Aufgabenverteilung: dass der andere genau weiß, was gemeint ist – und das hat bei uns „in der Schule nicht so sehr eine Bedeutung“. Dort hätten Gruppenarbeiten eher eine Alibi-Funktion, und du wirst vom Lehrer in eine Gruppe gesteckt, „damit du jetzt halt mal Gruppenarbeit machst“. Wenn ich hingegen erfolgreich ein Produkt entwickeln und zur Marktreife bringen will, komme es vor allem darauf an, sich in den Kompetenzen gegenseitig zu ergänzen und auf diesen Kompetenzen aufzubauen. So komme man auch viel schneller voran.

Statt eine Traumschule zu entwickeln ist lebenslang lernen angesagt

Von Rona befragt, wie für ihn eine ideale Schule aussehen würde, antwortet Reichardt: Viel wichtiger sei – noch vor der Frage, wie sich Schulen und Hochschulen verändern müssten, dass der Mensch sich und seine Denkweise verändert und erkennt, dass das lebenslange Lernen entscheidend ist. Gerade jetzt, wo sich alles exponenziell entwickelt. Es komme jetzt und in Zukunft darauf an, extrem viel in kurzer Zeit zu lernen. Gemeint ist damit aber offenbar nicht der Bulimie-Modus, in dem das gymnasiale Bildungssystem bis heute funktioniert. Vielmehr geht Reichardt davon aus, dass die Entwicklungen der realen Welt eine hohe Agilität und Anpassungsfähigkeit von uns verlangen – also nicht die Fähigkeit, in kurzer Zeit viel Wissen runter zu würgen, um es bei Tests unverdaut wieder auszukotzen (wie ich das formuliere). Für Reichardt haben viele noch immer das falsche Mindset im Kopf: „Ohje, ich muss schon wieder was Neues lernen.“, statt: „Oh cool, ich kann wieder was Neues lernen.“

„Nicht so limitiert sein im Kopf“

So lautet Reichardts Appell. Auch mal nach links und rechts schauen, kucken, was bei anderen los ist. Als Lehrer nicht einfach straight den eigenen Unterricht durchziehen für die nächsten 20 Jahre – was ja auf alle anderen Bereiche/Berufe übertragen werden könne.

Es klingt einfach. Und doch scheint es zum Schwersten überhaupt zu gehören, die Limits im eigenen Kopf hinter sich zu lassen. Diese Mantras, mit denen Schule ihren Kopf aus der Schlinge zieht. Die Refrains, die wir zur Genüge kennen: „Wir müssen alle mitnehmen.“, oder: „Das hier sind die großen Ausnahmen.“ Umso mehr war ich froh, in einem Gespräch mit Rona van der Zander und Aileen Moeck wieder einmal zu hören, dass es eigentlich nicht die Schüler’innen sind, an denen Projekte scheitern, und auch nicht die Schüler’innen, die an Projekten scheitern. Sehr viele junge Menschen scheitern an den Vorstellungen derer, die ihnen etwas zutrauen – und viel zu oft eben nichts. Es fällt noch immer sehr vielen Lehrenden und Erziehenden ungemein schwer zu akzeptieren, dass die krasse Mehrheit junger Menschen ihnen in ganz Vielem voraus ist. Vielleicht wird nur schon diese Möglichkeit als Kränkung der eigenen beruflichen oder elterlichen Identität erlebt. Hören Sie rein in das Interview, es lohnt sich:

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Es gibt keine richtige Berufswahl mehr, sondern nur ein richtiges Mindset. Also bilden wir es!

In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche beschreibt Sebastian Dettmers das Mindset und die Fähigkeiten, mit denen junge Menschen zukunftsfähig werden. Er adressiert aus guten Gründen nicht das Bildungssystem, sondern direkt die jungen Leute. Ein genialer Schachzug. Wie wir junge Menschen dabei unterstützen? Wir machen Kräfte und Ressourcen frei, um endlich entsprechende Lern- und Erfahrungsräume zu vermehren: Colearing-Spaces und Learning Communities, die dicht vernetzt sind mit der Kultur des neuen Arbeitens rund um den Globus.

In einem Gastbeitrag für die Wirtschaftswoche beschreibt Sebastian Dettmers das Mindset und die Fähigkeiten, mit denen junge Menschen zukunftsfähig werden. Er adressiert aus guten Gründen nicht das Bildungssystem, sondern direkt die jungen Leute. Ein genialer Schachzug. Wie wir junge Menschen dabei unterstützen? Wir machen Kräfte und Ressourcen frei, um endlich entsprechende Lern- und Erfahrungsräume zu vermehren: Colearing-Spaces und Learning Communities, die dicht vernetzt sind mit der Kultur des neuen Arbeitens rund um den Globus.

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Foto: Gerd Altmann • Freiburg/Deutschland via pixabay

Statt in den Refrain einzustimmen, wie sicherheitsbedürftig und schülerhaft die junge Generation doch sei, fordert Dettmers den jungen Menschen zu einem Shift seines/ihres Mindsets auf: Glaube nicht mehr jenen Leuten, die dir erzählen, dass du mit denselben Tugenden erfolgreich und glücklich durchs Leben kommst, wie anno dazumal. Dieser Einladung zum Kurswechsel kommt entgegen, was das WEF bereits klar umrissen hat: Der Bedarf an jenen Skills und Aufgaben, auf die wir Alten die nachfolgende Generation nach wie vor trimmen, nimmt konsequent ab:

  • Manuelle Geschicklichkeit, Ausdauer, Präzision.
  • Gedächtnis, verbale, visuelle, auditive und räumliche Fähigkeiten.
  • Lesen, Schreiben, Rechnen und aktives Zuhören.
  • Verwaltung der finanziellen und materiellen Ressourcen.
  • Installation und Wartung von Technologie.
  • Personalmanagement.
  • Qualitätskontrolle und Sicherheitsbewusstsein.
  • Koordination und Zeitmanagement.
  • Technologieeinsatz, -überwachung und -steuerung.

Bildschirmfoto 2019-04-13 um 13.03.04 KopieLeuten mit der alten Brille auf der Nase fällt dazu – neben einem gerüttelt Maß an Empörung über den Untergang des Abendlandes – wenig anderes ein als der Satz „Diese jungen Leute können ja heute nicht mal …“ – an dessen Ende sie dann jene Fähigkeiten aufzählen, für die sie in ihrer eigenen Ausbildung jahrelang gepiesackt wurden, respektive für die sie das alte System belohnt hat. Deshalb können sie gar nicht sehen, dass es heute und morgen um völlig andere Kompetenzen geht. Die bringt jetzt Dettmers ins Spiel.

Die neuen Skills und Haltungen

  • Lernt, Probleme zu lösen und mit Veränderungen umzugehen.
  • Bleibt offen für neue Wege, seid kreativ und kommunikationsstark.
  • Beweist im Rahmen einer durchaus fundierten Ausbildung, dass ihr euch in spezielle Themen einarbeiten könnt. Fixiert euch aber nicht darauf.
  • Investiert fortlaufend – auch nach Lehre oder Studium – in euch selbst, vor allem in eure Persönlichkeit.
  • Viel wichtiger als das Fachgebiet an sich ist: Neugier für Verbesserungspotenziale zu zeigen und diese auch beizubehalten.
  • Die Arbeit und ihren Nutzen für das Unternehmen aus der Vogelperspektive analysieren.
  • Den Mut aufbringen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.

„Denn es gibt heute keine richtige Berufswahl mehr, sondern nur noch ein richtiges Mindset“ – hält Dettmers abschließend fest. Seinen Beitrag in der Wirtschaftswoche finden Sie hier.

Das Händeringen hat längst begonnen

Immer mehr Konzerne, Berufsverbände und Unternehmen sehen sich vor die Aufgabe gestellt, durch interne Angebote bei ihren Arbeitskräften diese Fähigkeiten zu wecken, weil Schulen und Hochschulen das nicht tun. Etliche Unternehmer sagen mir ganz ungeschminkt: Nicht die jungen Leute sind das Problem, sondern die Schulen, die mit veralteten Ausbildungsstandards unterwegs sind. Mit Menschenbildern und Vorstellungen von Lernen, die indiskutabel sind. Deshalb suchen immer mehr ökonomische Player händeringend nach Alternativen, denn es geht um ihr wirtschaftliches Überleben. Was wir im Moment noch nicht realisieren, ist dies:

Die „New Work“, von der jetzt alle sprechen, und die ja bereits überall Einzug hält, setzt „New Learning“ voraus. Das ist die Erkenntnis der Stunde.

Deshalb brauchen wir jetzt Investor’innen, die die Zeichen der Zeit erkennen und mutig Ressourcen investieren in das Design neuartiger Lernräume. In die Entwicklung von Ateliers, Colearning-Spaces, Academies. Dabei vertrauen wir nicht länger auf das Mindset des alten Bildungssystems und seiner politischen Dinosaurier – das funktioniert ja schon in der unseligen Klimadebatte nicht, sondern wir identifizieren und fördern mit aller Kraft das neue Mindset und vernetzen es, was das Zeug hält. Dieser spannenden Aufgabe haben sich Bildungsdesigner, wie ich einer bin, verschrieben.