Und warum rauchen Sie trotzdem weiter?

Zukunft ist keine Frage der Information sondern des Entscheidens – unter anderem darüber, welche Informationen aus Informationen folgen.

Titelbild von Arek Socha auf Pixabay

Was auf Zigarettenpackungen steht, ist zutreffend. Es ist richtig. Rauchen schadet. Was Wissenschaften über die dramatischen Klimaveränderungen publizieren, ist ebenso zutreffend. Wie viele dem zustimmen oder wie wenige, ändert am Richtigkeitscharakter nichts.

Dass eine Information über etwas richtiges informiert, beinhaltet jedoch noch keine Information darüber, was mit der Information (z.B. auf der Zigarettenpackung) zu tun sei. Auch wenn als nächste Information mitgeliefert wird, dass das Rauchen bzw. der CO2-Ausstoß einzustellen seien, weil sie schädlich sind, folgt aus dieser Information nicht, dass das Rauchen bzw. der CO2-Ausstoß eingestellt werden.

Wir: die Totalinformierten

Es gibt einige Informationen darüber, warum das Rauchen und der CO2-Ausstoß trotz der pausenlos präsenten und zutreffenden Information, dass beide schädlich sind und wie sehr, nicht gestoppt werden. Und es gibt einige Informationen darüber, was passieren müsste, damit die zutreffenden Informationen über die erwähnte Schädlichkeit dazu führen, dass Rauchen oder CO2-Ausstoß eingestellt werden. Auch sie führen nicht dazu, dass Rauchen oder CO2-Ausstoß eingestellt werden.

Und zwar offenbar unabhängig davon, ob oder dass diese Informationen zutreffen oder nicht.

Information impliziert nicht, was aus ihr zu schlussfolgern sei und daran anschließend zu tun. Auch wenn die Information darüber informiert, dass etwas und was genau zu schlussfolgern, zu tun und zu lassen sei. Nach wie vor rauchen sehr viele Menschen und der CO2-Ausstoß steigt weltweit. Das ist eine Information. Sie trifft zu oder nicht.

Eine Information beinhaltet noch nicht die Information, was mit ihr zu tun sei. Auch nicht, wenn sie darüber informiert, was zu tun sei.

Bild von Istvan Brecz-Gruber auf Pixabay

Bild von Istvan Brecz-Gruber auf Pixabay

Da muss ich erst noch einen weiteren Unterschied bilden oder zwei. Dadurch wird eine Information kontextuell. Und zwar im Moment ihres „Empfangs“. Sie beginnt dann im Kontext zu wirken, und zwar nach Maßgabe des Kontexts, nicht so sehr nach Maßgabe der Information selbst, weil die Information diese Information ja nicht beinhaltet (der Kontext enthält sie übrigens auch nicht – außer er konstruiert sie, was er nicht muss).

Überschrift

Eine mögliche Entscheidung, Information zu kontextualisieren, ist die: Ich leugne, dass sie über richtiges informiert. Die Leugnung verändert jedoch nichts an der Richtigkeit dessen, worüber die Information informiert, denn „Leugnung“ setzt die Existenz von etwas Zutreffendem voraus, das ich leugnen kann. Gleichwohl gibt es jetzt eine neue Information 🙂

„Nein, das war ich nicht!“ kann stimmen oder eine Leugnung sein. Heraus finden wir das über Beweisführung. Vielleicht. Doch egal was dabei herauskommt: diese Information enthält dann wiederum noch nicht die Information, wer was mit ihr macht.

Wenn ich die Richtigkeit dessen, worüber eine Information informiert, widerlege oder beweise, widerlege oder beweise ich dadurch jedoch nicht die Bedeutung dessen, worüber die Information informiert. Eine Bedeutung, die sie sowohl als falsche wie als richtige, wie als widerlegte Information in irgendeiner Form für irgendjemanden haben kann. Die Bedeutung einer Information ist in dem, worüber informiert wird („Rauchen schadet“), nicht enthalten.

Und aus einer Widerlegung ergibt sich nicht, was mit dieser Information (Widerlegt!) nun zu tun sei, da es sich lediglich um eine (neue) Information handelt, die nicht beinhaltet, was mit ihr zu tun sei.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Über etwas informiert zu werden, beinhaltet nicht die Information, was mit dieser Information zu tun sei. Das weiß ich, oder ich weiß es nicht. Das wiederum hängt nicht von der Information ab, die ich erhalte sondern von der Art, wie ich mit ihr umgehe, also ob und wie ich jetzt neue Informationen generiere.

Darüber informiert zu werden, was zu tun sei, auch im Falle von Anweisung und Befehl, führt nicht dazu, dass es getan wird. Letzteres folgt aus einer Entscheidung oder Interpretation des Adressaten bzw. der Adressatin, die damit eine neue Information produziert.

Ob und wie Menschen aufhören zu rauchen und CO2 zu produzieren, ist keine Frage von Information, sondern von Entscheidung, was aus Informationen folgt und was nicht.

Zukunft ist keine Frage der Information sondern des Entscheidens – unter anderem darüber, welche Informationen aus Informationen folgen. Sollen.

Das ist eine Information.

Das Tetralemma als Weg zu neuen Lösungen

Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd kommt das große Verdienst zu, die Idee und die Praxis des Tetralemma für Coaching, Beratung, Therapie und Organisationsentwicklung zugänglich gemacht zu haben. Mir erscheint diese Methode als eine veritable Alternative des Entscheidens zu all jenen, die wir derzeit in Politik, Ökonomie und Bildung – und im Privatleben benutzen.

Beitragsbild: Gerd Altmann auf Pixabay

Im Moment machen wir in allen kulturellen Bereichen die Erfahrung, dass unsere persönlichen Entscheidungen und die der Funktionsträger*innen in Politik, Bildung und Ökonomie ausschließlich alte Lösungs-Muster reproduzieren. Wir wenden im Privaten wie im Öffentlichen Lösungen an, die keine sind, sondern die unsere Probleme kurz- bis mittelfristig vergrößern.

Das liegt daran, wie wir gelernt haben, Entscheidungen zu treffen: als hätten wir uns jeweils zwischen zwei oder mehreren Optionen für eine (1) zu entscheiden – oder wir hätten eine Sowohl-Als-Auch-Entscheidung zu treffen – im Schweizerischen gerne paraphrasiert mit „Die Münze und das Weggli wollen“. Das Interessante daran: Auch die „Sowohl-Als-Auch“-Option ist in dieser Fassung eine Variante des „Entweder-Oder“, weil sie sich als Alternative positioniert: „Sowohl-Als-Auch“ ist in der Entscheidungs-Gleichung entweder das Entweder – oder das Oder.

Zeichnet eine Entscheidung sich doch dadurch aus, dass sie den einen Weg geht und den anderen nicht. Ich kann nicht mit zwei Menschen gleichzeitig verheiratet sein in unserer Kultur, also entscheide ich mich: entweder für eine Ehe mit einem der beiden – oder gegen eine Ehe. Seinen Ernst bekommt das Entscheiden also durch die Konsequenzen, die es nach sich zieht. An ihnen erkenne ich die Kraft der Entscheidung.

Selbstverständlich kann ich versuchen, mich für „Beides“ zu entscheiden. Dadurch fülle ich meinen Rucksack mit einer Last, die mir die Reise fortan erschwert: Ich nehme beide Optionen mit ins Gepäck, statt mich einer zu entledigen. Im Fall einer Doppelehe mache ich mich darüber hinaus strafbar.

Das Tetralemma

Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd kommt das Verdienst zu, die Idee und die Praxis des Tetralemma für Coaching, Beratung, Therapie und Organisationsentwicklung zugänglich gemacht zu haben. Mir erscheint diese Methode als eine veritable Alternative des Entscheidens zu all jenen, die wir derzeit in Politik, Ökonomie und Bildung – und im Privatleben benutzen.

Eine kleine Einführung findest du hier:

https://youtu.be/L77BJgpfTC


Das Tetralemma übersteigt sowohl das „Entweder-Oder“ als auch das „Sowohl-Als-Auch“. Es erlaubt und ermöglich den Blick über bestehende Optionen und Alternativen des Entscheidens hinaus. Es verlässt den bipolaren Raum, in den wir uns landläufig schicken, wenn wir zu entscheiden haben: Weder die eine noch die andere Option steht zur Entscheidung noch ein Kompromiss. All dies nicht, sondern das Ermöglichen ganz anderer Lösungen – oder noch einen Schritt weiter: Die Veränderung (m)eines Bewusstseins, das ich vom Entsc heiden habe und meiner Beziehung zu dem hinter der Entscheidung liegenden Problem. Beide werden dadurch aufgebrochen, dass ich aus einem „statischen Beurteilungsschema“ erst einmal aussteige.

Dieser Zugang lebt aus der Erfahrung, dass die Zukunft, die wir im Aufspannen eines Entscheidungskorridors einzugrenzen versuchen, durch dieses „Einzäunen“ weder provoziert noch ermöglicht wird. Wir wissen im Gefolge einer Entscheidung weder, wie es uns mit der verworfenen Option ergangen wäre, noch sehen wir voraus, was uns auf dem Weg ereilt, für den wir uns entschieden haben – und erst recht werden wir nicht in Erfahrung bringen, ob das mit unserer Entscheidung für diese Option zu tun hat.

Das Tetralemma eröffnet mir jenseits dieser Überlegungen die Option, eine andere, sich weit öffnende Haltung der Zukunft gegenüber zu entwickeln. Das Tetralemma macht die Erfahrung nutzbar, dass unsere Lebenswege umso lebendiger und kreativer werden, je mehr wir uns von dem lösen, was wir im Konktext einer Entscheidung als Realität konstruieren – und stattdessen den eigenen Wirklichkeitsraum erweitern.