Paradigmenwechsel statt Methodenwechsel. Fünf Abschiede für die Schule

Der Abschied von den fünf tragenden Säulen des Be-Schulens und Be-Lehrens, der Fremdsteuerung und Kontrolle menschlicher Lernprozesse bildet den Anfang – nicht für eine alternative Schule, sondern für das kontinuierliche Entstehen ihrer Alternative.

Beitragsbild: Karikatur von www.f-woessner.de – Verwendung mit freundlicher Genehmigung des Autors

Sämtliche Diskussionen, die derzeit über „Schule der Zukunft“ geführt werden, reden über Varianten des Bestehenden. Was wir jedoch angesichts unserer Gegenwart brauchen, ist eine radikale Alternative, die die fünf tragenden Säulen traditioneller Schule geschleift hat.

Erstens: Kein Unterricht mehr

Wir brauchen keine alternativen Unterrichtskonzepte mehr, sondern Alternativen für Unterricht: Lernen in lebensweltlichen Formationen, Strukturen, Prozessen, die nicht mehr in der Architektur und im Paradigma des Unterrichts und des Unterrichtens gedacht, geplant, vorbereitet, durchgeführt und reflektiert werden. Wir lassen das Konzept Unterricht hinter uns. Wir organisieren nicht mehr das Lernen anderer Menschen, sondern nur noch unser eigenes mit Hilfe anderer: weil wir ausnahmslos alle Lernende sind, egal für wie gebildet und klug wir uns halten bzw. gehalten werden. Die Kultur der Digitalität ist unser gemeinsamer Lernraum.

Zweitens: Keine Prüfungen und keine Noten mehr

Lernende und sich (weiter-)bildende Menschen brauchen keine neuen und alternativen Formen des Prüfens, Bewertens und Benotens. Die sind erwiesenermaßen nutzlos für die, die bewertet und benotet werden. Deshalb geht es jetzt um Alternativen für das Konzept des Prüfens, des Bewertens und Benotens, mit deren Hilfe lernende Menschen auf sich und ihre Entwicklung achten können und diese Prozesse reflektieren.

Drittens: Keine Fächer mehr

Lernende brauchen keine neuen oder anderen Fächer, um die sich verändernde Welt zu begreifen – auch keine fächerübergreifenden Fächer.

Quelle

Die Aufteilung der Welt, und damit die von Lernprozessen in Fächer, entspricht nicht mehr den Möglichkeiten, den Anforderungen und den Herausforderungen, wie Menschen heute Welt entdecken und verstehen. Das Denken in Fächern führt in verkürzte Weltbilder und verhindert die Entwicklung eines profunden Blicks für Zusammenhänge, die es zu entdecken gilt, nicht herzustellen, wie Prof. Dr. Wanner beschreibt. Deshalb entwickeln wir keine alternativen Fächer, sondern Alternativen für Fächer.

Quelle
Viertens: Keine Klassen mehr

Wir brauchen keine anderen Zusammensetzungen von Klassen und Jahrgängen. Keine grösseren oder kleineren Klassen, keine homogenen oder buntere, besser gemischte Klassen. Wir brauchen Alternativen für das Denken und Organisieren von Lernen in Klassen und Jahrgängen, damit lernende Menschen sich Lernpartner*innen jenseits dieser Vorgaben suchen können, und so ihre Interessen und Potenziale zur Vorgabe ihres Lernens machen.

Fünftens: Schluss mit synchroner Präsenz

Und wir müssen uns endlich und endgültig vom Konzept der Synchronizität und der synchronen Präsenz verabschieden, sei sie digital oder physisch: Alle zur selben Zeit am selben Ort, denselben Stoff auf dieselbe Art. Nichts steht dem Lernen und seinen individuellen Entwicklungspfaden mächtiger im Weg als diese Praxis der Gleichschaltung.

Der Abschied von den fünf tragenden Säulen des Be-Schulens und Be-Lehrens, der Fremdsteuerung und Kontrolle menschlicher Lernprozesse bildet den Anfang – nicht für eine alternative Schule, sondern für das kontinuierliche Entstehen ihrer Alternative.

Der erste Schritt: Schüler*innen übernehmen die Führung, die Organisation und das Gestalten ihres Lernens:

Autor: Christoph Schmitt

Culture & Mindset Worker, Blogger, Ressourcenklempner, Coach, Ethiker, Rituals Expert. Ich unterstütze Menschen und Unternehmen beim "Digital Turn" - spezialisiert auf die Themen Mindset & Kultur. Systemisch & lösungsfokussiert. Ich coache Menschen in spannenden Entwicklungsphasen und begleite in einschneidenden Lebensmomenten durch die Gestaltung von Ritualen.

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