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Lernen 4.0: Junge Menschen bereiten sich von selbst auf die digitale Arbeitswelt vor.

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Anja C. Wagner hat ein Video produziert, in dem sie Zukunftswege digitalen Lernens für junge Menschen aufzeigt. Konkret, lustvoll, machbar, effizient. Dieses Video hat sie auf ihrem youtube Channel veröffentlicht. Dort gibt es noch mehr davon – es ist eine wahre Fundgrube für die Zukunftsthemen „Arbeit und Bildung im Digitalen Zeitalter“. Ich verwende dieses Video in der Weiterbildung, um meinen Klient*innen einen Einblick in Lernen und Arbeit 4.0 zu geben. Dabei zeige ich es sowohl Lehrenden und Dozierenden, als auch Studierenden. Die Reaktionen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Und doch fallen diese Unterschiede immer gleich aus.

Lehrende und Dozierende melden, nachdem sie dieses Video gesehen haben, zurück: Das funktioniert nicht. Unter keinen Umständen. Das richtet sich nur an eine sehr kleine Zielgruppe, die eh schon über die Kompetenzen verfügen, die es dafür braucht. Das ist eine elitäre Position, die übersieht, dass höchstens zwei Prozent der jungen Leute sowas in Angriff nehmen können oder werden. Das führt zu einer völligen Durchmischung von „privat“ und „beruflich“, was nicht wünschenswert ist. Der Großteil der Menschen ist damit völlig überfordert – und in diesem Stil immer so weiter.

Lehrende signalisieren mir mit diesen Reaktionen Abwehr und Überforderung. Eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Inhalten, den Themen und den Perspektiven kommt für sie gar nicht in Frage. Und zwar wirklich für die meisten von ihnen.

Studierende, Lernende, Schüler*innen reagieren auf das Video in erster Linie mit Neugier und einer Menge Fragen. Wie die denn dieses Video gemacht hat, und wer das überhaupt ist: diese Frau. Sie wollen das Video noch einmal sehen, sie wollen darüber diskutieren. Sie wollen Begriffe klären. Sie wollen, so mein Eindruck, verstehen – und sie wollen so schnell wie möglich „hands on“ gehen.

Lehrende, so mein Eindruck, wollen sich darüber klar sein, dass so etwas nicht funktioniert. Junge Menschen wollen mehr darüber erfahren.

Die neuen Lern- und Arbeitsnetzwerke: kreative Selbstläufer

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Interessant ist auch der Hintergrund, auf dem dieses Video entstanden ist. Lorenzo Tural Osorio, Unternehmer und Gymnasiast, hat Anja um eine Stellungnahme gebeten für seine Veranstaltung „Bring the Outside in the Company“ auf der Nürnberg Web Week im vergangenen Jahr. Er hat sie als Expertin angefragt, wie sich junge Menschen in den neuen digitalen Lern- und Arbeitsnetzwerken positionieren und entwickeln können. Und natürlich habe ich mich im Netz über Lorenzo informiert, wollte wissen, wer das ist, und was der so treibt. Die Ergebnisse haben mich beeindruckt, weil sehr konkret sichtbar wird, wie die jungen Generationen lernen und arbeiten werden.

Was diese Biografien zukünftig unterscheiden wird von Lern- und Arbeitsbiografien, die für uns heute State Of The Art sind, wird für mich in diesen Beiträgen klar. Im Video ebenso wie dort, wo ich auf Menschen wie Lorenzo stoße. Er ist ja beileibe nicht der einzige – doch er entwickelt sich mehr und mehr zu einem wichtigen Netzwerkknoten, an dem andere (nicht nur junge) Menschen anknüpfen könne, nachdem das Schulsystem solche Bewegungen eher unterdrückt und behindert, wie dieser Erfahrungsbericht eindrücklich schildert:

Die Zahl derer, die das Netz nutzen, um sich einen Platz in den neuen Arbeitswelten zu sichern, steigt täglich. Ganz in dem Sinne, wie auch Anja C. Wagner im Video formuliert: Das Netz ist nicht in erster Linie ein Tool für den privaten Einsatz, sondern ein Arbeitswerkzeug. Und wer junge Leute finden möchte, die das Netz so nutzen, wer verstehen will, was da abgeht – muss selber ins Netz und eine eigene Netz-Identität entwickeln.

Faszinierend dabei für mich: Diese Entwicklungen sind Selbstläufer. Sie schließen niemanden aus, sie sind alles andere als elitär, sie sind offen für jede und jeden, der und die mitmachen will. Da gibt es kein „bildungsaffin“ und „bildungsfern“, denn das sind Definitionen, mit denen vor allem das Bildungssystem und die Bildungspolitik Menschen stigmatisieren.

Umso wichtiger ist es, dass diese Netzwerke immer schneller wachsen. Dadurch werden alternative Bildungs-, Lern- und Arbeitsnetzwerke einem immer größeren Kreis von Menschen zugänglich. Die Abhängigkeiten von einem veralteten Bildungssystem werden weniger, Menschen befreien sich mehr und mehr aus den Zwängen der Selektionsmechanismen – oder geraten gar nicht erst in deren Fänge.

Nicht zuletzt Dank des Engagements von Menschen wie Anja C. Wagner, Lorenzo T. Osorio und einer rasch steigenden Anzahl von Frauen und Männen, die sich diesen Bewegungen anschließen.

Aus den Fesseln des Bildungssystems ausbrechen. Doku über Bildung der Zukunft.

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Warum engagieren sich junge Menschen zwischen 14 und Mitte 20 für die „Befreiung der Bildung“? Weil sie realisiert haben, dass wir nicht damit weitermachen können den Planeten zu verbrauchen – und weil sie eine klare Vision haben – und jede Menge Kraft. Ich habe mit Jola, Gina und Simon vom Verein „Demokratische Stimme der Jugend“ ein Gespräch geführt. Herausgekommen ist eine faszinierende, 30-minütige Doku über visionäre Praxis und strategische Professionalität.

Hier geht’s zum Video.

Über das Reizwort „Vision“

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Kein Begriff führt zuverlässiger zu verdrehten Augen als „Vision“. Vielleicht noch „Digitalisierung“ – aber „Vision“ tut gemäß Senioritätsprinzip mehr weh. Wir verwenden den Begriff wie Kaugummi, den wir locker verteilen, wenn jemand aus dem Mund riecht. Schnelle Lösungen, am Symptom orientiert. Dabei sind die meisten Visionen schlicht Beschiss. Ihre Wirkung lässt so schnell nach wie der Geschmack des bubblegum. Der Rest ist Kauen. Aber warum bleibt das Phänomen trotzdem bis heute so erfolgreich? 

Warum verschwindet es nicht aus dem Marketing-Sprech, sondern blitzt alle Nase lang auf linkedIn auf? Weil eine Vision triggert wie nichts anderes. Visionen erzählen von einer schönen Zukunft. Sie entwickeln einen Sog. Und sie lenken für den Moment ab vom schnöden Status Quo. Doch es gilt auch: Je saturierter dieser Status, umso genervter die Beschenkten. Sattheit ruft immer nach „mehr Desselben“, nie nach Veränderung. Auch deshalb haben es Visionen bei uns so schwer.

Wir halten es nicht mehr aus!

Ein Blick in die Geschichte zeigt (von den großen Religionsgründern der Antike bis zu Martin Luther King), wann Visionen tatsächlich eine nachhaltige Wirkung entfalten: wenn sie aus realem, geteiltem Leid entstehen, aus empfundener Unerträglichkeit, nicht aus einer nur gepredigten. Dabei steht in diesen Fällen nicht die reale Veränderung realer Verhältnisse im Vordergrund, sondern das Moment des Verbündens. Echte Visionen verbünden durch eine gemeinsame Situation. Sie entstehen von selbst aus einer erdrückenden Situation heraus. Deshalb: Solange der Klimawandel nur auf der Südhalbkugel wütet, haben wir hier nicht wirklich einen Visionsbedarf.

Visionen entfalten eine Wirkung also am ehesten dort, wo sie geteilt werden. Auch dann ist nicht vorherseh- und bestimmbar, in welche Richtung sie wirken. Sie bündeln zwar die Kräfte zur Veränderung, aber sie können die Richtung selber nicht restlos vorgeben. Sie erleichtern das Losgehen, garantieren aber nicht das Ankommen – erst recht nicht das „Wo“. Hier liegen die häufigsten Irrtümer der Marketing-Sprechblasen. Echte Visionäre wissen das, falsche womöglich auch, aber sie unterschlagen es – und an dieser Stelle schlägt ein Visionsprozess in Manipulation um. Das Versprechen, das im Aufbruch liegt, schlägt um in Versprechungen über höchst ungewisse Meriten.

Kraftvolle Visionen sind also niemals verordnet, sondern gewachsen. Sie entspringen einer geteilten Situation und machen deshalb aus Betroffenen Verbündete.

Die vier Eigenschaften einer wirksamen Vision

Aus diesem Grund haben wirksame Visionen immer mindestens diese vier Eigenschaften: Sie sind radikal, weil sie den Status Quo nicht mehr ertragen und deshalb ein echtes Gegenbild entwickeln, eines das Sog entwickelt. Sie sind subjektivin dem Sinne, dass es geteilte Visionen einzelner Menschen sind. Ich finde mich in ihnen wieder. Wirksame Visionen sind niemals objektiv und nie „importiert“ oder verordnet. Sie gehen immer vom einzelnen Menschen aus, der sie mit anderen teilt. Sie sind drittens träumerisch, denn nur so gelingt es den Trägern einer Vision, sich definitiv vom Staus Quo zu lösen – und sie sind konkret, denn nur dann entfalten sie Motivationskraft.

Denken Sie dran, bevor sie das nächste Mal den Begriff „Vision“ in den Mund nehmen. Die Geschmäcker sind verschieden 😉

„Bildung, die schmeckt. Neue Trends und attraktive Formen“.

So das Motto der Herbsttagung von plusbildung.ch.

Plusbildung repräsentiert die ökumenische Bildungslandschaft der Schweiz. Damit ist der Verband ein breit aufgestellter Player auf dem Markt der Weiterbildung. Seine Mitglieder stehen für ein Angebot, welches ausdrücklich den ganzen Menschen anspricht – in allen relevanten Dimensionen: individuell, sozial, beruflich, ökologisch und spirituell. Als Moderator und Referent war es meine Aufgabe, die Chancen der Digitalen Transformation für das Bildungsangebot sichtbar zu machen – und konkret.

Ein Teilnehmer schreibt mir als Rückmeldung:

„Die beiden letzten Tage klingen nach. Ich werde mich wohl erneut auf den Weg in den digitalen Dschungel machen, von dem ich bereits glaubte, dass für mich im Moment ausser Spesen (Zeit) nicht genug rausspringt. Deine Impulse haben mich ermutigt, mich neu und mutig ins Wasser zu werfen. Dein eBook bin ich im Zug am Lesen und entdecke da auch bekanntes, welche ich ähnlich bereits in TZI kennen gelernt und mir z.T. auch angeeignet habe: Die Ermächtigung des Lernenden. Du zielst ja nicht auf Egozentrik und Egoismus, sondern auf Selbst- und Mitverantwortung. Diese bedarf der Freude am Erfolg des Andern, wie zuerst auch Freude am eigenen Erfolg.“

Heute schon gelernt? Eine kurze Analyse unserer wichtigsten Fähigkeit

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Zuerst die Bombe zünden: Selbststeuerung und Selbstorganisation sind ebenso wenig „in Teilen“ oder „partiell“ möglich wie „Autonomie“. Ein Prozess ist entweder selbst- oder fremdgesteuert, er ist entweder selbstorganisiert oder er ist es nicht. Auch „Teilautonomie“ ist ein semantisches Unding. Prozesse, die in der Annahme durchgeführt werden, dass es Teilautonomie gibt, geraten ausnahmslos zu bizarren Unterfangen. 

Ein Beispiel: Schulen werden in der Schweiz gerne als „teilautonom“ bezeichnet. Sie erfahren aber immer und ausgerechnet dann, wenn sie sich autonom verhalten, wie sehr sie „unter fremden Gesetzen“ stehen, also heteronom unterwegs sind. Das teilautonome Moment schlägt immer dann in Heteronomie um, wenn es sich selbst autonom anwendet. Diese Erfahrung ist nicht auf das Schulsystem begrenzt. Wir können sie praktisch in jeder Form von Organisation machen: „Autonomie“ hast du nur so lange, bis du sie benutzt.

So ist das auch mit dem Phänomen der Selbstorganisation – ausgerechnet beim Lernen. Erstens gilt – mit gesichertem neurologischem und systemischem Wissen im Gepäck: „Selbstorganisiert lernen kann ich nur selbstorganisiert lernen.“ Das pädagogische „Kann“ kann ich aus dieser Formel übrigens streichen, denn Lernen ist immer ein Prozess der Selbstorganisation, der in jedem möglichen Fall vom lernenden System oder Organismus (Mensch, Klasse, Familie, Abteilung, Unternehmen,) selbst gesteuert wird. Es gilt also: „Selbstorganisiert lernen“ lerne ich nur selbstorganisiert, oder: Lernen ist selbstorganisiert. Auch Phänomene wie Abhängigkeit, Überforderung, Unterforderung, Demütigung, Leistungsdruck, Langweile, Diskriminierung, Lob und Tadel, Belohnung und Strafe – und was wir sonst noch in institutionell organisierten Lernprozessen erfahren, das alles integrieren wir selbstorganisiert in unsere Lernprozesse (!). Insofern ist z.B. auch die Rede von der „intrinsischen Lernmotivation“ höchst unscharf, weil jeder Lernprozess intrinsisch motiviert ist. Die Konstruktion „intrinsische Motivation“ ist ein Pleonasmus – und dieses Konstrukt verdanken wir einer Disziplin mit Namen Pädagogik.

Der Unterschied zwischen Lernprozessen, die intrinsisch, selbstorganisiert, selbstgesteuert und autonom „sind“ und solchen, die es „nicht sind“, besteht nicht darin, dass die Lernenden im einen Fall selbstorganisiert, selbstgesteuert, intrinsisch und autonom unterwegs sind und im anderen nicht. Der Unterschied besteht darin, dass die Lernprozesse im einen Fall so organisiert sind, dass ich aufgrund der immer währenden Selbstorganisation und Autonomie meines Lernens expansiv lerne – und im anderen Fall (selbstorganisiert) defensiv. Denn auch dann, wenn ich destruktive Prozesse abwehre (Angst vor schlechten Noten, vor sozialer Deklassierung, vor Scham usw.), verlasse ich nicht das selbstorganisierte Lernen, weil das gar nicht geht.

Mein Lernen ist also in jedem möglichen Fall selbstorganisiert und selbstgesteuert. Die Prozesse und Strukturen, die von Bildungssystemen drumherum gebaut werden („Didaktik“), machen nichts anderes, als solches Lernen zu manipulieren. Nicht selten missbrauchen sie es für „übergeordnete Zwecke“, hinter denen sich Anliegen verbergen, die nichts mit dem eigenen Lernen zu tun haben, sondern mit seiner schulischen Organisation: Ordnung, Pünktlichkeit, Sauberkeit, aufstrecken, auswendiglernen, Prüfungen vorbereiten und schreiben, Hausaufgaben machen, zusammenfassen, anstreichen, mich auf Dinge konzentrieren, mit denen ich überhaupt nichts anfangen kann u.v.m.

Was eine positive und gestaltende Entfaltung unseres autonomen, intrinsischen und selbstorganisierten Lernens also jederzeit gefährdet, ist die Ausrichtung an künstlichen, fremdgesteuerten Formen der Organisation. Das führt zu einer Desavouierung von Selbstorganisation und Autonomie, weil die ja vom Schulsystem als eine grundsätzliche Gefahr für die schulische Organisation des Lernens wahrgenommen werden: Wenn ich meinem selbstorganisierten Lernen freien Lauf lasse, aktiviere ich umgehend die schulischen Sanktionsmechanismen. Niemand hat das schlauer analysiert als Klaus Holzkamp.

Anstatt junge Menschen auf soziale und kollaborative Weise ihrem Lernen zu überlassen (nicht sich selbst, liebe Lehrer, sondern ihrem Lernen), statt sie nur dort sanft zu unterstützen, wo sie sich selbst Hilfe holen (weil sie erst dann expansiv lernen, wenn sie ganz von selbst an Grenzen kommen, die keine curricular konstruierte Grenzen sind), betten wir ihre Entwicklung in heteronome, fremdgesteuerte pädagogische Systeme ein. Das tun wir mit der Begründung, dass sie, die jungen Menschen, noch nicht in der Lage sind, das zu „tun“ oder zu „können“, was sie über den Umweg des pädagogisch-didaktischen Systems zu lernen haben. Was wir dabei völlig außer Acht lassen, ist das, was ich oben beschrieben habe: Wir versuchen Menschen durch Schule etwas beizubringen, was sie sich nur selbst (her)beibringen können – und wundern uns dann regelmäßig über das Mittelmaß, in dem diese pädagogischen Versuche steckenbleiben – und immer öfter scheitern. 

Wir dürfen also NICHT zu der Erkenntnis gelangen, dass es am pädagogischen System liegt, wenn Lernprozesse „ins Chaos führen“. Wir müssen die Ursachen bei den Lernenden finden, die nicht wissen, was sie lernen sollen. Darüber hinaus sind sie zu heterogen, zu gescheit, zu dumm, falsch zusammengewürfelt, zu viele von denen, zu wenig von den anderen, haben die falsche Herkunft, das falsche Geschlecht für Mathe, einen Migrationshintergrund, den falschen Vornamen (z.B. Kevin oder Wibke), haben Lernschwächen und Verzögerungen, leiden unter Asperger und ADHS, unter überfürsorglichen oder vernachlässigenden Eltern – und brauchen deshalb ein sich immer weiter differenzierendes pädagogisches System.

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Ein Klassiker zu dieser Thematik ist übrigens ein Vortrag des großen Pädagogen Klaus Holzkamp aus dem Jahr 1992. Sie finden das Transskript hier.

»Digitalisierung für Nachzügler«

Gallus Zahno, ein sehr engagierter Pädagoge im Bereich der berufsschulischen Bildung, hat mein e-book „Digitalisierung für Nachzügler“ besprochen – und er hat dazu tief in die Digitalkiste gegriffen. Das Ergebnis finde ich beeindruckend: Wie es ihm gelingt, durch die Bildersequenzen im Video zentrale Gedanken aus dem Buch aufzugreifen und frei weiter zu entwickeln!

Digitalisierung für Nachzügler. Einsichten eines digitalen Immigranten

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Wie finde ich mich in Digitalien zurecht? Wie komme ich klar mit dieser Revolution? Was ist Digitalisierung jenseits der Schlagworte? Wie wird sich mein Leben ändern? Wie nutze ich die Möglichkeiten der Digitalisierung beruflich und privat?

Um solche Fragen geht es in meinem Buch. Aber nicht theoretisch. Ich bringe meine persönliche Erfahrung der letzten zwei Jahre ein, in denen schon so viel passiert ist. Es geht nämlich schnell mit der Digitalisierung. Sie stellt alle unsere Lebens- und Arbeitsbereiche auf den Kopf. Es wird kein Stein auf dem anderen bleiben. So viel steht heute fest.

Ob das eine gute oder eine weniger gute Nachricht ist, das hängt mehr von mir selber ab, als es bisher den Anschein macht. Das ist meine Erfahrung, und von der erzähle ich. Digitalisierung ist keine Entmündigung. Sie ist ein nahezu kostenloses Angebot, die Dinge selber in die Hand zu nehmen. Ich muss nur wissen, wie.

Für mich bedeutet Digitalisierung: Mehr Möglichkeiten für viel mehr Menschen. Mitgestalten und mitreden. Es geht mir um die Chancen, die jede und jeder selber ergreifen kann. Wenn wir das gemeinsam und richtig anpacken, dann liegt da eine Menge Lebensqualität für uns drin – jenseits von Konsum und Terror.

Zwar wird in Zukunft unglaublich viel Arbeit von Maschinen erledigt, aber darin liegen große Chancen: Wir befreien uns von den Bullshit-Jobs und von einer modernen Form der Versklavung an sinnleere Arbeit. Wir werden dadurch frei für andere Ideen und Projekte, die uns wirklich weiterbringen – angesichts des desolaten Zustands unseres Planeten.

Und weil die Digitalisierung eine so komplexe Sache ist, haben die Ilustratorin des Buches Melanie Vetterli und ich in einem Kapitel des Buches wichtige Begriffe metaphorisch umschrieben und illustriert. Damit möchten wir der Leserin und dem Leser den Zugang zu dieser spannenden Materie erleichtern. Manchmal sagen Bilder nämlich mehr als tausend Worte.

Warum ein e-book?

Weil ich als digitaler Immigrant unbedingt diese Erfahrung machen wollte. Digitalisierung bedeutet ja auch, dass wir unser Wissen und unsere Erfahrung digital zur Verfügung stellen. Digitale Bücher können viel schneller angepasst, verändert, korrigiert werden. Rückmeldungen von LeserInnen können umgehend eingebaut werden – und es braucht weniger vom wertvollen Rohstoff Papier.

Stichworte aus dem Inhalt

Digitalisierung ist mehr und anderes als technische Aufrüstung – Über die weitreichenden kulturellen Folgen der Digitalisierung – Wir entwickeln ein „neues Lernen“, mit dem wir uns für das Digitale Zeitalter fit machen – Der digitale Umgang mit der Ressource „Wissen“ – Die wichtigsten Kompetenzen für ein erfolgreiches Leben in der Digitalisierung, und wie wir zu denen kommen – Ein konkretes Beispiel für digitale Lern- und Arbeitskultur – Meine Vision: Wie wir in Zukunft zusammen leben und arbeiten werden.

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Wir erfinden Schule und Lernen neu!

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Foto: Christoph Laib

Der Intrinsic Campus hat ein großes Ziel: Eine neue Haltung zum Lernen in allen Bereichen der Gesellschaft zu entwickeln. Mit einem Barcamp in Zürich ist jetzt der Startschuss gefallen. Um die 40 Frauen und Männer kamen zusammen und gaben dem spannenden Thema ein Gesicht. 

Christian Müller und Daniel Straub sind das Kernteam des „Institut Zukunft“. Die beiden haben vor einiger Zeit in der Schweiz die Volksinitiative zum Bedingungslosen Grundeinkommen lanciert. Jetzt gehen sie das nächste große Projekt an: Intrinsic Campus. Ihr Anliegen hat große Relevanz und Aktualität. Es geht um die Erneuerung der schulischen Bildung und des Lernens in der Gesellschaft.

Am 30. September haben wir uns im Kulturpark Zürich zu einem Barcamp getroffen. Da es um den Aufbruch in eine neue Welt von Schule und Lernen geht, liegt es nahe, gleich zu Beginn eine Form zu finden, die den Anforderungen an Bildung und Lernen 4.0 gerecht wird: Barcamp ist eine relativ junge Form der „Un-Konferenz“: Es gibt im Vorfeld kein Programm und vor Ort keine Keynote-Speaker oder „ReferentInnen“. Die Themen werden live unter den TeilnehmerInnen erfasst und in Sessions bearbeitet. Auf einem Barcamp gibt es also keine Gäste, sondern nur aktive Gestalterinnen. Der Grad der Selbstorganisation ist hoch, der Output noch höher. Die Vernetzungsleistung ist enorm.

Klicken Sie hier für einen Einblick in das Barcamp, das ich vorbereitet und moderiert habe. Auf Twitter finden Sie das Barcamp unter #incabamp. Den Blog des Intrinsic Campus finden Sie hier.

Foto: Christoph Schmitt

Was Ethik in der Digitalisierung so alles leisten kann

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Quelle: kommunikationsblog.de und shutterstock.com

Viele Einwände gegen die Digitalisierung sind ethisch-moralisch gefärbt. Zum Beispiel: Sie macht uns abhängig von undurchsichtigen Netzwerken. Der Staat und große Firmen spähen uns pausenlos aus. Sie horten unsere Daten für ihre Zwecke und vernichten unsere Privatsphäre. Die Digitalen Medien führen zu einer Verrohung der Kommunikation und zur Vereinsamung der Menschen „vor ihrem Bildschirm“.

Sind das ethisch-moralische Einwände? Da geht es doch eher um Recht und Gesetz. Daten- und Kündigungsschutz sind juristische Themen. Deshalb rufen wir nach strengeren Gesetzen, nicht nach einer „neuen Moral“. Wir erwarten, dass wir im Kontext der Digitalisierung „zu unserem Recht“ kommen. Nicht nur in Sachen Privatsphäre. Dafür vertrauen wir auf das Gesetz. Eine Stufe tiefer geht es jedoch um etwas ganz Anderes.

Die Würde des Menschen

Es geht um unsere Würde. Es geht uns darum, respektiert zu werden (nicht einfach „in Ruhe gelassen“) und frei entscheiden zu können. Ich möchte über mich selbst bestimmen und sagen, was ich denke. In einem geschützten Rahmen. Ohne Angst. Ich will frei sein von Diskriminierung und ich will sinnvolle Arbeit haben. Von ihr leben können. Ich möchte Anerkennung finden. Ich möchte in Sicherheit leben, gesund und mit Genuss. Ich möchte lieben und geliebt werden. Das sind einige der Werte, die uns am wertvollsten sind. Und vor allem: Das sind nicht einfach Wünsche, die wir an den Weihnachtsmann adressieren. Das sind Grundbedürfnisse, ohne deren Erfüllung unser Leben an Würde verliert. Und dann sinkt das moralische Grundwasser.

Es geht uns also vor allem um moralische Werte. Und die können wir nicht mit Gesetzen durchsetzen. Ein würde- und wertvolles Leben braucht einen moralischen Grundwasserspiegel. Sonst greifen auch Gesetze nicht. Zum Beispiel kann das Gesetz „Ehe für alle“ nicht dafür sorgen, dass Schwule und Lesben ihre Partnerschaften in Würde leben können. Damit das funktioniert, braucht es Grundwasser.

Wie Ethik wertvolles Leben ermöglicht

Ethik ist der Schlüssel zu einem Leben in Würde. Sie reguliert das moralische Grundwasser einer Gesellschaft. Sie analysiert dessen Qualität und schlägt im Notfall Alarm. Sie untersucht, was dieses Grundwasser vergiftet und was es schützt. Auf diese Weise kümmert sich Ethik um die Frage, was ein gutes Leben ist und wie wir es verwirklichen. Sei es wirtschaftlich, medizinisch oder sozial. Die Instrumente der Ethik sind: das kritische Denken, der respektvolle Dialog, das aufmerksame Interesse.

Die Ethik gibt also keine Antworten oder Ratschläge. Sie untersucht. Sie erforscht, worauf wir unser Leben gründen – und ob das wirklich belastbar ist. Sie schreibt uns nicht vor, was wir zu tun und zu lassen haben. Sie moralisiert nicht. Sie hinterfragt. Sie sucht hartnäckig nach guten Gründen. Ethik ist also keine Besserwisserin – wie früher die Moral. Stattdessen hinterfragt sie Gesetz und Moral. Sie durchleuchtet das, was sich als selbstverständliche Praxis ausgibt. In der Politik, in der Ökonomie – überall. Dabei geht es ihr nur um das Eine: dass ein würde- und wertvolles Leben möglich wird. Für alle. Das war’s auch schon.

Digitalisierung stellt alles auf den Kopf

Es ist heute und in Zukunft nicht mehr möglich, das „gute Leben“ ein für alle Mal zu definieren und zu normieren. Diesen Umstand „verdanken“ wir der Digitalisierung. Sie hat nicht nur die Komplexität unseres Lebens vervielfacht, sondern auch das Tempo und die Abhängigkeiten und die Undurchschaubarkeit.

Um davor nicht zu kapitulieren, um den Durchblick zu bekommen und den Anschluss nicht zu verlieren, hilft mir die Ethik. Konkret, individuell und ganz praktisch. Ethik ist heute und in Zukunft eine sehr persönliche Kompetenz. Sie ist eine Fähigkeit, die mir erlaubt, ein würdevolles Leben zu führen. Mir selbst hat die langjährige Auseinandersetzung mit Ethik gleich drei Lichter aufgehen lassen.

Wie mir die Ethik geholfen hat

Erstens: Wenn ich in meinem Leben gute Entscheidungen fällen kann, dann steigt meine Lebensqualität. Ich fühle mich frei, getragen, selbstbestimmt und viel wohler in meiner Haut, weil ich realisiere, dass ich Entscheidungen wirklich selber fällen kann und zu ihnen stehen. Egal, wie anspruchsvoll sie sind.

Zweitens: Wie alle Menschen brauche ich eine Rechtfertigung für das, was ich mache und für das, was ich sein lasse. Ich habe das Bedürfnis, vor mir selbst und vor den Menschen, die mir etwas bedeuten, mit guten Gründen bestehen zu können. Ethik hilft mir dabei auf erstaunlich einfache Weise, zu diesen Gründen zu kommen. Das hat mich über die Jahre sehr erleichtert.

Drittens: Jede und jeder hat einen inneren Kompass, mit dem wir jederzeit und in noch so verzwickten Situationen Orientierung finden. Das klingt unglaublich, aber es ist wahr. Mit Hilfe der Ethik habe ich gelernt, diesen Kompass zu nutzen.

Möchten Sie diese Thematik für sich oder Ihre Organisation vertiefen? Möchten Sie mehr über die Ethik und ihr Potenzial erfahren?

Hier mein Angebot an Sie:

  • Wenn Menschen und Organisationen lernen möchten, Ethik sinnvoll einzusetzen, gestalte ich die Lernprozesse: Weiterbildung, Seminare, Workshops.
  • Wenn Menschen und Organisationen ihre ethische Kompetenz weiterentwickeln möchten, unterstütze ich sie durch Einzelcoaching, Supervision und Teamentwicklung.
  • Wenn Sie sich ethische Fragen im Kontext der Digitalisierung stellen, kann ich Einblicke geben und Überblick schaffen.

Wenn Sie Lesefutter zum Thema suchen – hier mein Tipp:
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Wann setze ich in Sachen Digitalisierung aufs richtige Pferd?

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Quelle: Royalticket GmbH auf pinterest

Die Diskussionen um die Digitalisierung in Bildung und Arbeit drehen sich praktisch ausnahmslos um die Frage, ob und wie man jetzt aufs richtige oder falsche Pferd setzen könnte. Niemand realisiert, dass das Pferd das eigentliche Problem ist. Was ist damit gemeint?

Das Kernproblem liegt hier: Die Entscheider in Politik, Ökonomie und Bildung sind nicht in den digitalen Netzwerken. Deshalb bekommen sie nichts von dem mit, was derzeit um sie herum los ist: Welche Entwicklungen sich die Klinke in die Hand geben, wohin die Reise geht. Führungskräfte, (Bildungs-)Politiker, Horden von Pseudo-Spezialisten, die große Mehrzahl der Menschen in (aus-)bildenden Berufen: Sie sind nicht in den digitalen Netzwerken unterwegs. Deshalb kriegen sie nichts mit. Sie sind auf eine hilflose Art abhängig von denen, die ihnen Informationen zuliefern: Mitarbeitende, die wiederum von ihnen abhängen. Die allermeisten Organisationen funktionieren nach wie vor hierarchisch. Da will dann niemand der Überbringer von „Bad News“ sein, von denen eine ganz entscheidende lautet: „Das Pferd ist tot, Sir.“

Und weil so unglaublich viele Menschen (die meist Männer sind) in entscheidenden Positionen keine Ahnung haben von der Digitalisierung, sehe ich eine der größten Gefahren bei den wie Pilze aus den Böden schießenden „Beratern und Experten für Digitalisierung“. Die sind nämlich einem alten Sprichwort folgend „in der Wolle durchgefärbte“ Vertreter der old economy. Sie betreiben technologisches Pflästerchen-Consulting und haben selbst keinen blassen Schimmer von den kulturellen Umwälzungen, die tatsächlich hinter der Digitalisierung stecken. Denn auch sie sind nicht in den digitalen Netzwerken unterwegs.

Quelle statt Wasserhahn

Sicher: Die Herren Entscheider lesen Zeitung. Womöglich sogar jeder Zehnte von ihnen auf dem Tablet. Aber was in Zeitungen steht, ist gefiltert wie nichts anderes. Es ist tendenziell wie nichts anderes. Es ist in 80 bis 90 Prozent der Fälle bereits kopiert.

Bei der Digitalisierung erfolgreich mitzumachen, das setzt voraus, dass ich mir selber ein Bild von der Wirklichkeit mache, wie sie sich im Moment entwickelt. Es setzt den Willen voraus, sich der Unsicherheit auszusetzen – und der Agilität: Ich muss ständig unterwegs sein in den digitalen Netzwerken (Twitter, linkedIn, Facebook, reddit u.v.m., relevante Newsletter, blogs u.v.m.). Ich muss mir mein Wissen und meine Informationen selbst zusammenstellen. Ich muss so viel wie möglich an den Quellen zu Gange sein, nicht am Wasserhahn kleben. Was da rauskommt, ist nämlich  total gefiltert.

Ich muss vernetzt sein, im Gespräch, im Dialog, im Austausch. Mit Menschen, die ebenfalls agil sind, die Nuggets finden und teilen. Und zwar im digitalen Netz. Anders lässt sich Komplexität nicht mehr organisieren. Das ist Digitalisierung im Kern.

Das Ablenkungsmanöver mit den Digitalen Technologien & Tools

Es geht nicht darum, in welche Technologien wir investieren, und was wir uns „ins Haus holen“, weil die Digital Economy ebenso wie die Digital Society nicht mehr nach dem Haus-Modell funktionieren, sondern nach dem Netzwerk-Modell. Und es kommt noch dicker: Sämtliche Technologien, die wir brauchen, um in der Digitalisierung erfolgreich unterwegs zu sein (als Mensch, als Organisation), gibt es bereits im Netz. Viele davon in der Cloud. Offen verfügbar, meist kostenlos oder spottbillig. Hervorragend erklärt, leicht zu lernen und einzusetzen.

Dann: Im Digital Age gibt es keine Eingangskontrollen mehr. Keine Visa, keine Mauern und Grenzzäune. Wer Strom hat, Netz und ein Device, spielt mit: erfindet mit, kauft und verkauft mit, entdeckt und entwickelt  mit. Kontrolle ist durch Transparenz ersetzt. Alle haben Zugang, aber wer sich daneben benimmt, kickt sich selber raus.

Die vor allem in der Bildung um sich greifende „Tooleritis“ ist also nicht wirklich das Gebot der Stunde. Mit digitalen Tools um sich zu werfen ist nämlich ein Versuch, digitale Technik & Medien in ein völlig veraltetes Denksystem von Bildung zu integrieren, das lernende Menschen gar nicht befähigt zu einem Leben im Digital Age. Im Moment werden überall die Reservate technisch hochgerüstet. Dabei würde Bildung 2017+ ja bedeuten, dass Menschen gemeinsam rausgehen auf Expedition, statt dass lernende Menschen zuerst mühsam an didaktischen Hickhack gewöhnt werden, um sich anschließend mühevoll in Digitalien auszuwildern. Das ist ein sträflicher Schwachsinn! Die Strategie einer „technologischen Aufrüstung“ ist kontraindiziert und verlängert die Ablösung eines längst überholten Bildungssystems.

Wir sind das Netz

Und die Politik, nach der alle rufen? Was die Politik macht, ist nicht entscheidend, weil sie mit ihren trägen Seilschafts-Ritualen gar keinen Einfluss hat auf die Wertschöpfungsketten des digitalen Zeitalters. Auch wird die Politik in den kommenden Jahren weiterhin Aufmerksamkeit und Geld in Strukturen der Old Economy lenken. Sie wird weiterhin Menschen ermutigen und fördern, die in das Pferd investieren.

Die Digitale Zukunft wird sich aber woanders abspielen, entwickeln und prosperieren. Im Digital Age spielen und entscheiden andere Stakeholder. Das sind übrigens immer mehr auch Menschen wie du und ich. Sie finden sich zusammen über Netzwerke wie z.B. meetup: Teilen ihre Interessen, bilden sich gegenseitig aus und weiter, knüpfen pausenlos Kontakte und weben dadurch ein dichtes Netz an Kommunikation, Interaktion und Wertschöpfung – jenseits des alten Spiels der Chancenzuteilung durch das Bildungssystem und durch andere Kastenkulturen der westlichen Welt.

Die Regeln des neuen Spiels mit Namen Digitalisierung versteht nur, wer mitspielt. Und das ist die Voraussetzung dafür, um hier und da etwas zu gewinnen.