Stoff ballern bis der Arzt kommt. Drei Hürden für Schulentwicklung

In der Schule geht es bis heute vor allem darum Stoff zu ballern. Hier und da entsteht der Eindruck, es würde noch um etwas anderes gehen, und das stimmt sogar:  Es geht auch darum, die schulische Gehorsamslogik von “Command & Control” zu verinnerlichen. Denn nur so funktioniert Stoffballern zuverlässig. Stoffballern und Gehorsamslogik gehören zusammen wie Pech und Schwefel.

Wenn Schule von Innovation oder Reform spricht, dann organisiert sie das Ballern von Stoff anders. Innovativer. Selbstorganisiert.

Es geht immer um Stoff. Nimm Schule den Stoff weg und sie löst sich im nächsten Moment in Luft auf. Unterricht, Fächer, Hausaufgaben, Prüfungen, die Armada der Lehrmittel – alle stehen mit leeren Händen da.

Erste Hürde: Stoff ballern und die 4K

Keine Keynote und kein Podcast über innovative Bildung kommen heute ohne die 4K aus. Gemeint sind jene vier Kompetenzen, die das Kind und die Jugendliche in der Schule entwickeln sollen, um zukunftsfähig und also arbeitsmarktfähig zu werden, um sich in einer postdigitalen Welt zurecht zu finden, sich auf Jobs vorzubereiten, die es noch gar nicht gibt – you name it.

4K: Kommunikation, Kreativität, Kollaboration und kritisches Denken

In Wirklichkeit geht es bei Schule bis heute allerdings nicht darum, Stück für Stück diese Kompetenzen zu entwickeln. Es geht vielmehr – so die Erfahrung von Schülerinnen und Schülern – darum

  • kreativ Stoff zu ballern, also Wege zu finden, die Stoffflut zu überleben, ohne daran zu zerbrechen – oft durch clevere Strategien der Täuschung.
  • kommunikativ Stoff zu ballern, also möglichst flüssig das zu sagen, was erwartet wird – nicht was ich tatsächlich denke oder allenfalls zu sagen hätte
  • kollaborativ Stoff zu ballern,
    also hier und da gemeinsam das zu erledigen, was vorgegeben ist – effizient, aber selten wirklich gemeinsam gedacht.

Wobei ja noch das vierte K des kritischen Denkens fehlt. Damit will ich nicht sagen, dass das kritische Denken in der Schule nicht vorkommen würde. Aber halt nicht als zu entwickelnde Kompetenz, sondern als Stoff, der geballert werden muss.

Dafür sehen sich bis heute ja vor allem Gymnasien zuständig: Texte über kritisches Denken lesen und diskutieren, das Wesen kritischen Denkens erörtern und einen Aufsatz darüber schreiben, oder – total innovativ – einen Podcast darüber aufsetzen, doch all das ist nicht gleichbedeutend mit der Entwicklung und dem Einsatz kritischen Denkens. It’s delivering.

Solche „kompetenzorientierte Formen“ von Stoffballern – feierlich formuliert: alternative Wege um sich Wissen zu kritischem Denken anzueignen – haben zunächst nichts mit der Kompetenz des kritischen Denkens zu tun. Es geht um Reinballern und Rausballern.

Kritisches Denken kommt dort auf die Welt, wo ein Mensch sich selbstermächtigt und frei zu bestimmten Positionen, Anforderungen, Strukturen oder Abläufen in ein persönliches, existenzielles Verhältnis setzt und zu der Schlussfolgerung kommen kann, dass er dieses vorgegebene Thema und jenen gegebenen Pfad nicht weiter zu verfolgen gedenkt.

Ein Prozess, der in Schule undenkbar ist, denn in der Schule geht es immer um Stoff, und es geht immer um einen Stoff, der vorgegeben ist und darum, den von A nach B zu transportieren und bei Prüfungen wieder zurück. 

Kompetenzorientierung bedeutet in der Schule, dass möglicherweise Rücksicht auf die Frage genommen wird, wie das Ballern von Stoff auch noch organisiert werden kann, wie Schülerinnen und Schüler auch noch dabei unterstützt werden können um noch besser, noch effektiver, noch effizienter Stoff zu ballern – und wie das kompetenzorientiert benotet werden kann.

In der Schule ist Kompetenzorientierung also jederzeit darauf ausgerichtet, das Ballern von Stoff zu organisieren. Wer das nicht packt, hat ein enormes Problem. Er oder sie hat dann das Schulproblem schlechthin.

Zweite Hürde: Gehorsam lernen

Hinter dem Ballern von Stoff steckt die Gehorsamslogik. 

Das Ziel dieser Gehorsamslogik (command & control) ist, dass Schülerinnen und Schüler lernen, Stoff zu ballern und Stoff zu ballern lernen Kinder und Jugendliche in der Schule, um die Gehorsamslogik dahinter zu verinnerlichen. 

Wer den jederzeit vorgegebenen bzw. akkreditierten Stoff nicht auf die von Schule vorgesehene Art und Weise ballert und/oder andere davon abhält, oder wer andere dabei unterstützt, anderen Stoff als den vorgesehenen oder den vorgesehenen Stoff auf andere als auf die vorgesehene Weise zu ballern, ist ungehorsam und wird mit den Schule zur Verfügung stehenden Mitteln sanktioniert.

Zwar dürfen Schülerinnen und Schüler hier und da (und dort) selber bestimmen, welche Einzelteile vom Stoff sie wann ballern, aber zum Stoffballern selbst gibt es keine Alternative. Schliesslich sind wir in der Schule.

Die gesamte bisherige Motivationsliteratur und Motivationspraxis von Schule (ob reflektiert oder nicht, ob professionell oder nicht) ist daraufhin ausgelegt.

Sie verfolgt den Zweck, Kinder auf mehr oder weniger phantasievollen methodischen Wegen dazu zu bringen, gemäss der Gehorsamslogik zu funktionieren und zu lernen – entweder indem sie als Motivationspraxis extrinsisch ansetzt (friss oder stirb), oder indem sie sich den Aspekt des Intrinsischen zu Nutze macht, was in schulischer Lesart eine Variante des Extrinsischen ist, nur weicher: Kinder lernen sich selbst zu etwas zu bringen („intrinsisch motiviert“), zu dem sie im anderen Fall erst noch gebracht werden müssen („extrinsisch motiviert“).

Hier blitzt eine weitere, für Kinder und Jugendliche im schulischen Kontext äusserst wichtige Kompetenz auf: sich intrinsisch dazu motivieren, extrinsisch gesetzte Ziele zu verfolgen und zu erreichen.

Das müssen sie ja später im Steinbruch auch können: sich an die tägliche Pflicht prügeln.

Dritte Hürde: Noten als Schmiermittel zwischen Stoff ballern und Gehorsamslogik

Das eiserne Festhalten an der Notwendigkeit von Noten oder von Notenäquivalenten wiederum verfolgt den Zweck, den Zusammenhang zwischen Stoffballern und Gehorsamslogik aufrechtzuerhalten.

Wer kennt ihn nicht, diesen Albtraum ein Fach unterrichten zu müssen, ohne über das Instrument der Noten zu verfügen? Keine Noten – kein Druckmittel. Was keine Noten gibt, hat in der Schule keinen Wert, oder anders gesagt: wenn es keine Noten gibt, hat es in der Schule keinen Wert – egal wie wertvoll ist für mich, meinen Selbstwert, meine Selbstermächtigung, mein kritisches Denken, für mein Wohlbefinden sein mag.

Einen Wert bekommt was auch immer in der Schule dadurch, dass es benotet wird. Basta.

Diese einfache und doch so bestechende Logik verinnerlichen Kinder und Jugendliche in der Schule besonders nachhaltig und halten ein Leben lang an ihr fest: Der Wert ist die Ziffer, die Ziffer ist der Wert.

Dabei ist längst lang und breit erwiesen, dass Noten und ihre Äquivalente vor allem einen Effekt haben: Die Kreativität und Energie lernender Menschen schnurren zusammen auf das Motiv, eine Prüfung zu bestehen. Und weiter:

Risikovermeidung: Schüler tendieren dazu, sichere Aufgaben zu wählen, um ihre Noten zu schützen, anstatt intellektuelle Risiken einzugehen oder neue Ansätze auszuprobieren. Dies hemmt die Entwicklung von Kreativität und vertieftem Verständnis.

Fokus auf Standardlösungen: Ein starker Bewertungsdruck durch Noten kann dazu führen, dass Studenten sichere, standardisierte Lösungen bevorzugen, anstatt kreative Risiken einzugehen. Dies hemmt das divergente Denken, das für die Generierung vielfältiger Ideen entscheidend ist.

Reduzierte Experimentierfreude: Studien zeigen, dass extrinsische Motivation durch Noten die intrinsische Neugier und den Drang zum Experimentieren untergräbt – beides zentrale Elemente kreativer Prozesse.

Bewertungsangst: Die Erwartung hoher Noten kann Stress auslösen, der die kognitive Flexibilität beeinträchtigt. Dies führt zu einem „Ideenstau“, bei dem Lernende weniger originelle Lösungen entwickeln.

Fragmentiertes Wissen statt tiefem Verständnis: Wenn der Fokus auf Noten liegt, neigen Schüler dazu, Informationen oberflächlich zu lernen, anstatt sie kritisch zu hinterfragen oder miteinander zu verknüpfen

Sei-kreativ-Effekt: Instruktionen wie „Sei kreativ“ führen zwar zu mehr Ideenvielfalt, doch Notendruck kann diesen Effekt neutralisieren, indem er implizite Erwartungen an „richtige“ Antworten setzt.

Kreativitätsfördernde Umgebungen: In Lehrkontexten, die Noten priorisieren, werden Facetten wie „neue Denkkulturen“ oder „originelle Ideen“ seltener gefördert. Nur 20–30 % der Lehrenden integrieren solche Elemente aktiv.

Arbeitsgedächtnis vs. Kreativität: Zwar korrelieren hohe Noten oft mit starkem Arbeitsgedächtnis (z. B. durch Musikausbildung), doch dies garantiert keine kreative Anwendung des Wissens. Kreativität erfordert Freiräume, die durch Notendruck eingeschränkt werden.

Hinzu kommt die mangelnde Objektivität und Vergleichbarkeit von Noten:
  • Subjektive Beurteilung: Noten sind stark von der „impliziten Persönlichkeitstheorie“ der Lehrkräfte und Sympathiefaktoren geprägt, wie Studien zeigen
  • Fehlende Konsistenz: Selbst bei gleichen Leistungen variieren Noten zwischen Schulen, Fächern und Lehrpersonen, da sie auf klasseninternen Vergleichen basieren, weder reliabel sind und lediglich eine „Scheinsicherheit“ vermitteln.
Dann die fehlende Lernförderlichkeit:
Soziale Verzerrungen durch Noten
  • Einfluss externer Faktoren: Noten spiegeln oft sozioökonomische Hintergründe, Geschlechterstereotype oder Verhaltensbewertungen wider, nicht nur fachliche Kompetenzen
  • Rechtfertigungsdruck: Lehrkräfte passen Noten häufig an Erwartungen von Eltern oder Übergangsregeln (z. B. Gymnasialempfehlungen) an
Und noch einmal: Der Motivationsmythos

Warum ‚Nein‘ sagen in der Schule ebenso unmöglich ist wie im Online-Feed

Das Feuilleton und seine Freund:innen beteuert gerne, wir wolltenbräuchten doch junge Menschen, die sich abgrenzen können, die „Nein“ sagen können, die sich nicht manipulieren lassen – auch nicht von sozialen Medien. Im Namen parlamentarischer Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wünscht sich die Bildungselite Jugendliche, die kritisch denken, nicht einfach jeden Inhalt schlucken, Unterschiede erkennen – und so tatsächlich einen Unterschied machen.

Von Jugendlichen wird also kritisches Denken erwartet – während Schule ein Ökosystem darstellt, in dem vor allem Leisten, Funktionieren und Gehorsam zum Erfolg führt.

Täglich dreht sich alles darum, wie ich bewertet werde – alles geht von Bewertung aus und läuft auf sie hinaus. Genau dafür kritisieren wir übrigens Social Media, und ihr würdet nicht für möglich halten, wo Schule und Social Media sonst noch nach derselben Logik funktionieren.

Spielen wir das mal durch:

Noten unter der Gürtellinie
Schlechte Noten sind die klassischen Dislikes. Sie markieren öffentlich, dass du „nicht genügst“, und sie hängen dir lange nach, z.B. auf Zeugnissen, Bewerbungen, Laufbahnentscheidungen. Social Credit in Reinform.

Stillarbeit als Strafmassnahme
Wer stört oder unangepasst ist, darf nichts mehr sagen. Schweigen als Strafe – das ist im digitalen Raum der Shadowban.

Vermerk im digitalen Schulmanager/Eltern-Portal
Heute wird der Tadel digitalisiert. Fehlverhalten wird dokumentiert, Eltern sofort informiert, alles wird archiviert. Wie ein peinlicher Kommentar, den man nicht mehr löschen kann.

Entzug von Privilegien
Du darfst nicht mit auf den Ausflug, keine Gruppenarbeit, kein Klassensprecher. Das ist die schulische Version von „Du bist raus aus der Bubble“.

Öffentliche Blossstellung
„Max, lies du doch mal vor – du hast ja vorhin so viel geredet.“ Oder: „Warum hast du schon wieder deine Hausaufgaben nicht?“ Das ist fast wie ein Subtweet vor versammelter Mannschaft.

Bewertungsbögen mit „Soft Skills“
Sozialverhalten, „Arbeitsverhalten“, „Teamfähigkeit“. Alles wird bewertet. Du darfst nicht nur den richtigen Stoff können, du musst auch die richtige Haltung zeigen. Das ist das schulische Pendant zu „Wie performst du als Person?“

Androhung von Schulverweis
Der ultimative Dislike. Rauswurf aus der Community. Totale Exklusion. Vergleichbar mit einem permanenten Bann auf Social Media – und zwar einer, der deine ganze Bildungslaufbahn beeinflusst. Und oft ist die Schwelle dafür erschreckend niedrig.

Versetzung gefährdet / Sitzenbleiben
Du hast den Anschluss nicht geschafft? Dann bleibst du zurück – öffentlich sichtbar, oft stigmatisierend. Ein richtig bitterer Dislike, weil er auch deine Peergroup kappt: Deine Leute gehen weiter, du bleibst allein zurück.

Separatbeschulung / „Förderunterricht“ mit Ausgrenzungs-Vibe
Klingt harmlos, ist aber oft ein Signal: Du passt hier nicht rein. Kann wie ein Schattenprofil wirken – du bist noch irgendwie da, aber eigentlich auch nicht mehr Teil der Hauptbühne.

Strafarbeiten / Nachsitzen
Zusätzliche Zeitstrafe für „Fehlverhalten“. Du musst mehr leisten, aber nicht, um zu lernen – sondern um zu büssen. Das ist wie ein temporärer Shadowban mit Zwangscontent.

Kommentare auf Zeugnissen
„XY muss noch lernen, sich in die Gruppe einzuordnen“ oder „zeigt häufig Widerstand gegen Anweisungen“ – das sind quasi die öffentlichen Dislike-Kommentare, die dich auf Dauer definieren können, weil sie offiziell sind. Die wirken wie eine schlechte Rezension auf deinem permanenten Profil.

Pädagogische Gespräche, die wie Tribunale wirken
„Wir müssen mal mit dir sprechen.“ Am besten mit Klassenleitung und Sozialpädagog:in. Du wirst nicht gefragt, sondern beurteilt. Das fühlt sich selten wie Hilfe an – eher wie ein Moderationsteam, das dein Verhalten öffentlich analysiert.

Eltern werden einbestellt
Der Klassiker: Nicht du, sondern deine Eltern müssen „antanzen“. Social Media Version? Deine Follower werden informiert, dass du Scheisse gebaut hast. Und das Vertrauen deiner engsten Community bröckelt.

Heuristik I: Woran ich ein alternatives Lernbündnis erkenne

Ob eine Lernpartnerschaft tatsächlich innovativ ist, ob ich mich also in einer Lernumgebung befinde, die eine echte Alternative zum traditionellen Konzept von Schule ist, erkenne ich zuverlässig an drei Merkmalen: 

Erstens: Das Paradigma vom Stoffballern ist nicht (mehr) vorhanden. Das Lernen orientiert sich nicht mehr am Abarbeiten von Stoff und Inhalt. Woran auch immer es sich orientiert, daran nicht mehr. Das ist ein sicheres Erkennungszeichen.

Zweitens: Es gibt keine Gehorsamslogik, weil es keine Notwendigkeit gibt, ein Befehls- und Kontrollparadigma zu verinnerlichen. Das Lernen der Menschen in einer solchen Lernumgebung und dessen Reflexion orientiert sich nicht mehr an Kontrolle und Unterordnung.

Drittens: Noten und/oder Notenäquivalente haben keine Funktion mehr und sind abgeschafft. An ihre Stelle ist kein nächstes Äquivalent getreten, weil die Notwendigkeit weggefallen ist, einen Zusammenhang zwischen Stoffballern und Gehorsamslogik (Command and Control) aufrechtzuerhalten. 

Heuristik II: Woran ich erkenne, dass nach wie vor alte Schule im Spiel ist

Die Frage, was denn jetzt statt Stoffballern, Gehorsamslogik und Noten den Rahmen bildet oder die Prinzipien oder die Paradigmen, ist eine Frage nach Äquivalenten zu dem, was abgeschafft wurde. Das ist tricky.

Anders gesagt: Wer fragt, was denn jetzt an die Stelle von Noten getreten sei, ist auf der Suche nach der alten Form von Schule in einer neuen Lernumgebung und zeigt damit, dass er oder sie Schule nicht überwunden hat.

Er oder sie geht davon aus, dass Menschen nur dann Leistung erbringen, wie auch immer Leistung definiert sein mag,

  • wenn sie dazu gezwungen werden (intrinsisch formuliert: wenn sie sich selbst davon überzeugen, weil es dafür schliesslich auch Belohnung gibt), und
  • wenn sowohl das Erbringen von Leistung als auch das Lernen des Erbringens von Leistung lückenlos kontrolliert wird
  • und durch Noten bzw. durch Notenäquivalente bewertet: command & control

Die wahren Schulnostalgiker:innen gehen davon aus, dass Menschen

  • erstens so früh wie möglich und durchgehend Leistung zu erbringen haben,
  • dass Kinder in der Schule vor allem dieses Prinzip zu verinnerlichen haben,
  • und dass sie diese Leistung nur erbringen, wenn sie entsprechend gesteuert, kontrolliert, belohnt bzw. sanktioniert werden.

Die Alternativen

Dieses Menschenbild existiert in gleichwürdigen und selbstermächtigten Lernbündnissen und Lernpartnerschaften nicht mehr

Ein wichtiger Think Tank und Pilot für gleichwürdiges Lernen ist für mich und meine eigene Entwicklung die Colearning Community. Im Interview verdeutlicht Sibille Tschanz als Mutter, Lehrerin und Schulleiterin, was Colearning aus ihrer Sicht ist:

Der Prototyp einer maximal diversen, vielsprachigen Learning Community ist für mich bis heute Learnlife in Barcelona.

Und auch im deutschsprachigen Raum gibt es Pioniere, die die unsägliche Trias aus Stoff ballern, Gehorsamslogik und Notendruck längst überwunden haben. Dazu zählen unter anderem das Lernhaus SOLE in Glarus, die mehrfach ausgezeichnete Gundacherschule in Obwalden, die Wirkstadtschule im Aargau oder die Stadtrandschule in Schaffhausen – und das sind noch nicht alle.

Ich denke, die Zeit ist reif dafür, dass die öffentliche Schule sich weit öffnet für eine grundsätzliche und umfassende Entwicklung, und dass sie sich einlässt auf die Veränderungen der Welt um sie herum; dass sie sich selber als Schule auf einen Lernweg macht; dass sie anfängt sich zu fragen, welchen sinnvollen und nützlichen Beitrag sie heute beitragen kann in den Bildungsbiografien junger Menschen.

Auf diesem Entwicklungsweg ist sie weder alleine noch alleine gelassen. Es gibt mehr als eine Handvoll Pioniere, die in den letzten zehn, 20 und 30 Jahren den Rubikon überschritten haben, die die alte Schule hinter sich gelassen haben und die offene Türen haben für alle, die sich auch auf den Weg machen wollen.

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Autor: Christoph Schmitt

Bildungsaktivist | LinkedIn Top Voice | Colearner | TEDx Speaker | Bildungsdesigner | Bildungsethiker | systemischer Coach & Supervisor | Rituals Expert | Blogger | Nörgler | Ressourcenklempner. Ich unterstütze alles, was mit Aus- und Aufbrechen aus Beschulung zu tun hat. Für Jung UND Alt. Meine Kernkompetenz: Entwicklung ganzheitlich begleiten, moderieren, inspirieren.

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