In Deutschland ist es unausweichliches Schicksal, dass Kinder zur Schule müssen. Es gibt keinen Ausweg. In der Schweiz ist das anders. In den meisten Kantonen können Eltern ihre Kinder aus der staatlichen Schule nehmen oder gar nicht erst hinschicken. Sie können ihre Kinder der öffentlichen Schule entziehen. Wegnehmen. Sie können das wichtigste und wertvollste, was sie ihren Kindern schulden, selber in und an die Hand nehmen – auch indem sie selber eine „Schule“ gründen. Davon sollten viel mehr Menschen Gebrauch machen – und darum geht es in diesem Blog Post.
Auslöser für das Folgende ist ein Artikel im Magazin einer grossen Schweizer Zeitung, welcher der Leserin und dem Leser erklärt, wie die Zukunft der Schweizer Volksschule aussehen muss. Zum Beispiel so:
„Es ist völlig klar, dass die künstliche Intelligenz an die Schule gehört. Kinder sollen lernen, mit Programmen wie Chat-GPT oder Deepl umzugehen, und verstehen, welche Stärken und Schwächen die Technologie hat. Aber sie sollten sie nicht am eigenen Smartphone nutzen – dieses gehört nicht in die Schule. Den Grund dafür habe ich bei Schulbesuchen im Silicon Valley gelernt: In der Schule sind die Kinder Lernende. Im Lernraum arbeiten sie mit den Werkzeugen, die dort zur Verfügung stehen. Das Smartphone ist privat und gehört in die Freizeit.“
Quelle
Die Begründung für den Ausschluss des Smartphones: Die im Silicon Valley machen das auch so. Warum dient der als eher reaktionär bekannte Kulturraum des Silicon Valley (hier meine Nachfragen dazu bei Perplexity bzw. ChatGPT) als Vorbild für zeitgemässes Lernen in der Schweiz?
„Silicon Valley“ steht nämlich für einen nicht ganz unproblematischen sozioökonomischen Kontext, dessen Übergreifen auf die Schweiz mehr beklagt wird als gefeiert:
- Mangelnde Inklusion und Diversität innerhalb von Technologieunternehmen, insbesondere was die Repräsentation von Frauen, schwarzen Menschen und Angehörigen anderer Minderheiten in Führungspositionen und technischen Rollen angeht.
- Erhebliche sozioökonomische Disparitäten, mit extrem hohen Lebenshaltungskosten und einer wachsenden Kluft zwischen den sehr Reichen und den Arbeitenden, die sich kaum ein Leben in der Region leisten können.
- Eine tiefere Ebene von Konservatismus und Status-quo-Denken, besonders in Bezug auf Wirtschaftsmodelle und Arbeitsbeziehungen – trotz liberaler Werte an der Oberfläche.
Merkwürdig also, dass für die Begründung eines solchen Eingriffs in die „Privatsphäre“ junger Menschen ausgerechnet jene Kultur beliehen wird, die sich durch das Gegenteil dessen auszeichnet, was Bildungsexpert:innen hierzulande üblicherweise als Bildungsgerechtigkeit bezeichnen würden.
Und noch merkwürdiger die Idee, diese Gerechtigkeit könne dadurch gefördert werden, dass Kindern jene Werkzeuge entwendet werden, durch deren sinnvollen Einsatz sie dieser Gerechtigkeit einen Schritt näher kommen würden.
Besonders krass im zitierten Statement ist für mich jedoch etwas anderes: Das dualistische Weltbild: Drinnen der Lernraum, draussen die Freizeit. Drinnen Lernen: fremdgesteuert, geplant und kontrolliert durch Lehrende, draussen das Smartphone, weil privat, weil Freizeit.
Drinnen lenkt das Smartphone ab von dem, was Lehrende für Lernende vorgesehen haben und worüber Lehrende bestimmen. Das Smartphone wird also auf der Seite der Lehrenden als etwas erlebt, das in eine Konkurrenz zu ihrem Führungsanspruch tritt. Es erschwert ihnen das durchzusetzen, was Kinder ihrer Überzeugung nach hier und jetzt zu tun und zu lassen haben – weil sie als Lehrende es so bestimmen und durchsetzen.

Da geht es also gar nicht in erster Linie darum, dass „die Kinder sich endlich mal konzentrieren“, wie häufig zu hören ist. Es geht darum, dass sie sich auf das konzentrieren, worauf sie sich gemäss Schule zu konzentrieren hätten. Es geht um Hoheit. Es geht um Macht:
Wir sagen dir, was du zu tun und zu lassen hast und womit du dich jetzt und nachher zu beschäftigen hast und wie. Das ist Schule – egal, was sie sonst noch ist. In erster Linie ist sie das.
Und diese Kritik mache ich jetzt an einem einzigen, aus dem Kontext gelösten Abschnitt eines umfangreichen Artikels fest, der sich neben KI und Smartphone an immerhin weiteren 25 Stichworten abarbeitet? Yep, denn das Smartphone ist der Kristallisationspunkt, an dem sich das autoritäre Wesen des Schulsystems und seine fehlende Anschlussfähigkeit an die Gegenwart wie in einem Brennglas bündeln.
Der Pädagogische Zynismus
Draussen arbeiten Menschen mit dem Ding. Sie kaufen ein und verkaufen, sie kommunizieren, sie planen alles, was mit ihrem Leben zu tun hat. Sie finden sich zurecht auf dem Globus und in der U-Bahn, sie buchen Reisen, sie partizipieren an ihrer Kultur, hören Musik, lesen, schauen und produzieren Filme, Clips und Videos, verabreden sich, recherchieren und informieren sich und andere. Sie publizieren, sie sind politisch aktiv. Sie leben und artikulieren ihren Lifestyle.
Und sie lernen. Pausenlos. Das Smartphone ist das derzeit wichtigste Werkzeug und die derzeit zentrale Repräsentanz unserer technosozialen Arbeitswelt.
Ausser in der Schule, dem „Lernraum“, wie sie im Artikel genannt wird. In der Schule herrscht dieser Dualismus. Deshalb verinnerlichen wir Menschen ihn auch von Kindesbeinen an: Diese falsche und widerlegte Überzeugung, dass Lernen immer an irgendeine Form von Schule und Beschulung gebunden sei, und dass es dafür immer und ausnahmslos Lehr-Lern-Expert:innen brauche, die uns sagen, mit welchen Werkzeugen wir was wann zu lernen hätten. Das lernen wir als erstes in und durch öffentliche Schule – und schleppen es dann ein Leben lang als Lernbehinderung mit uns rum.
Wörtlich im Artikel:
„In der Schule sind die Kinder Lernende. Im Lernraum arbeiten sie mit den Werkzeugen, die dort zur Verfügung stehen.“
Und welche Werkzeuge das sind, welche Werkzeuge Lernende individuell benötigen, mit welchen sie gut können und mit welchen nicht, das entscheidet ausschliesslich das System der öffentlichen Schule.
Draussen ist das dann wieder Privatsache – draussen ist nicht „Lernraum“ (😳) – da sind Kinder nicht Lernende (🤔). Da ist Freizeit.
Womöglich lernen Kinder und Jugendliche auch deshalb so schwer, mit technologischer Vielfalt umzugehen?
Oder ist es am Ende ganz anders? Können sie das im Gegenteil immer früher (im Unterschied zu vielen Lehrpersonen), weil sie eben nicht nur im Lernraum Schule lernen, weil nicht nur Schule Lernraum ist und sie nicht nur im Lernraum Schule Lernende sind sondern immer?
Ja – so ist es.
Der Dualismus von „Schule als Lernraum“ und restlicher Welt ist in jedem Fall gänzlich deplatziert. Die Pädagogik dahinter ist zynisch. Sie ist weltfremd – in einem Schulsystem, das im Moment auf breiter Basis noch nicht die Spur einer Ahnung davon hat, was im Kontext Digitaler Technologien und Künstliche Intelligenz gerade abgeht.
Tatsache ist: Im Moment repräsentiert nichts anderes die Gegenwart und ihre Herausforderung (!) deutlicher als das Smartphone: die Ubiquität und Gleichzeitigkeit von allem als die eine grosse Herausforderung, mit der wir umzugehen haben. Das Smartphone steht für soziale und ökonomische Partizipation, für Selbstbestimmung und dafür, wie beide gelingen und wie sie scheitern können – nicht nur bei Kindern.
Aber das ist privat und gehört in die Freizeit?
Ebenso gut könnte ich meinem Kind das Sackgeld streichen mit der Begründung, es so auf den Umgang mit Geld vorzubereiten.
Mit der Aussage, das Smartphone gehöre ins Private, seine Nutzung in die Freizeit, repräsentiert der Artikel eine im Schulwesen der Schweiz verbreitete, reaktionäre Position – die auch gerne von manchen Eltern und Politiker:innen eingenommen wird, weil eine zunehmende Überforderung herrscht, weil sie selber keinen guten Umgang damit lernen.
Nicht den Kindern das Smartphone wegnehmen sondern dieser Schule die Kinder
Ein Satz wie „Das Smartphone sei privat und gehöre in die Freizeit“, hat diagnostischen Charakter. Er ist entlarvend. Er zeigt an, wes Geistes Kind seine Sprecher:innen sind. Sie outen sich dort, wo es um Gegenwartstechnologie geht, entweder als Ahnungslose, oder mit einem klaren Kalkül – oder mit einer toxischen Mischung von beidem.
Sie geben vor, dass es ihnen um das Wohl der Kinder geht – erst recht jener Kinder, die aus so genannt „bildungsfernen Elternhäusern“ kommen würden, wie sie immer wieder betonen: Die Volksschule als die grosse Garantin für Bildungsgerechtigkeit. Dabei stellt ja für die als „bildungsfern“ adressierten Menschen nicht das Lernen oder die Bildung ein Problem dar, sondern die Schule selbst – mit der heute, wenn überhaupt, nur noch jene klarkommen, die über ein einigermassen stabiles familiäres Umfeld verfügen. Immer mehr junge Menschen und ihre Eltern bringen nicht mehr die Kraft und die Ressourcen auf, um auch noch mit Schule klar zu kommen.
Mit Lernen und Bildungsarbeit hat das zuerst einmal gar nichts zu tun, sondern vor allem mit der Notwendigkeit, sich irgendwie dem Schulsystem ein- und unterzuordnen und damit der täglichen Ansage, wo ich wann zu sein habe, und was ich dann in welcher Form, mit wem zusammen bis wann zu erledigen habe.
Bildungsnahe Menschen, also jene, die sich selbst so bezeichnen, bezeichnen jene gerne als bildungsfern, die „mit dem Lernen so ihre Probleme haben“. Das mag stimmen, doch nur, wenn es um das schulische Lernen geht – und ausserdem sagt das Etikett „bildungsfern“ nichts darüber aus, wie weit bestimmte Eltern und ihre Kinder vom Schulsystem weg sind sondern darüber, wie weit Schule von ihnen weg ist. Die staatliche Schule ist bildungsfern – nicht die Menschen sind es.
Was die Situation im Moment zusätzlich erschwert, ist die Rede von der durch (Volks-)Schule herzustellenden Bildungsgerechtigkeit, die ja gar nicht gegeben ist, wie lang und breit erforscht ist.
Diese Formel verleiht ihren Befürworter:innen einen zusätzlichen, zähen Hauch moralischen Gutseins: Erst wenn alle Kinder und Jugendliche in einen Topf geworfen sind, hätten Bildungs- und Chancengerechtigkeit eine Chance.
Sie predigen die Alternativlosigkeit von Volksschule und setzen sie mit Hilfe staatlicher Gewalt und Steuermitteln durch, weil sie um jeden Preis dafür sorgen wollen, dass es auch in Zukunft ein System gibt, das über das Lernen von Menschen bestimmt. Es geht ihnen um Kontrolle.
Was wir alle dadurch in Kauf nehmen, ist dies:
Öffentliche Schule nimmt – in welcher „reformierten“ Form auch immer – den Menschen das Lernen zuerst weg und gibt es ihnen dann dosiert in Pulverform zurück.
Schule ist in ihrer Grundidee immer zuerst „wegnehmen“. An erster Stelle die Freiheit des Lernens, die Bewegungs-, die Denk- und die Meinungsfreiheit, um sie dann portionsweise wieder zuzuteilen.
Das Lernen als ein durch und durch individuelles Phänomen wird durch Schule zuerst gleichgeschaltet und linearisiert, um es dann portionsweise und nach Massgabe der Lehrpersonen wieder zu „individualisieren“. Das ist hanebüchen.
Was öffentliche Schule damit praktiziert, ist an der Wurzel autoritär: Der Mensch wird so früh wie möglich sich selbst entzogen – nicht nur was das Lernen betrifft.
Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Selbststeuerung werden verneint und durch Fremdbestimmung ersetzt. Auf allen denkbaren Ebenen: sozial, fachlich, emotional. Von der ersten bis zur letzten Minute, die ein Mensch in der öffentlichen Schule verbringt, bestimmen andere, was, wo, wie, wie lange, mit wem und mit welchen Ergebnissen zu lernen ist.
Deshalb ist das Smartphone für das Schulsystem und seine reaktionären Repräsentant:innen nichts anderes als der Endgegner.
Sie können in den Gegenwartstechnologien nur eine Konkurrenz zu ihrem Monopolismus sehen, die es entweder aus den Lernprozessen auszuschliessen gilt (Smartphones) oder maximal zu kontrollieren. Das nennen sie dann: „in den Unterricht integrieren“. Thematisierung ja, aber nur nach ihren Regeln. Gemäss Lehrplan und löffelweise.
Im Lexikon der modernen Schule klingt das dann so: „Kinder sollen lernen, mit Programmen wie Chat-GPT oder Deepl umzugehen, und verstehen, welche Stärken und Schwächen die Technologie hat. Aber sie sollten sie nicht am eigenen Smartphone nutzen – dieses gehört nicht in die Schule.“
Es ist an der Zeit, dieser Art von Schule die Kinder wegzunehmen, denn es ist längst nicht mehr egal, wo Kinder die wichtigste (Lern-)Zeit ihres Lebens verbringen. Die öffentliche Schule ist von ihrem Prinzip her ein denkbar ungeeigneter Ort, wo sich junge Menschen heute auf diese radikal umgewälzte Welt vorbereiten können – ganz egal übrigens, auf welche Weise ihre Zeugnisse am Ende zu Stande kommen.
Wissen und Kompetenz sind überall. Holt euch, was ihr braucht!
Es gibt in unserer Welt, in unserer Gesellschaft, in den Vereinen, Kulturbetrieben, Unternehmen und Verbänden so unendlich viel soziale, emotionale, menschliche und fachliche Kompetenz, so unendlich viel Ressourcen, von denen Kinder und Jugendliche profitieren können. Diese Welt ist so unendlich reichhaltig. Weder seid ihr noch sind eure Kinder auf eine Art von Schule angewiesen, die diese ganze Vielfalt und ihre digitale Präsenz und Verfügbarkeit dem Privaten und der Freizeit zuordnet.
Tut euch zusammen: fünf oder zehn Familien oder mehr, die die Bildung ihrer Kinder selbst organisieren. Alles, was eure Kinder an Grundlagenwissen brauchen, ist jederzeit und überall sofort abrufbar. Alles, was sie an sozialen und emotionalen Fertigkeiten entwickeln, können sie in gleichwürdigen sozialen Kontexten ohne die Interventionen des pädagogisch-autoritären Systems schneller und nachhaltiger und lustvoller und würdiger lernen – als in einer Schule.
Ihr seid die, die zusammen mit euren Kindern und anderen Menschen guten Willens dafür sorgen könnt, dass die Diversität unserer heutigen Lebens- und Arbeitswelten, die eine ihrer wichtigsten Quellen und Inspirationen darstellt, von Anfang an die Lern- und Bildungsbiografien eurer Kinder prägt. Das ist doch ein unglaublich wertvolles Versprechen – erst recht auf dem Hintergrund der Linearisierung von Bildungsarbeit in öffentlichen Schulen!
Macht euch unabhängig von der Beschulungs-Ideologie. Lasst euch nicht länger erzählen, dass ihr als Eltern unfähig oder überfordert seid, wenn es um das Lernen eurer Kinder geht oder um euer eigenes. Ihr seid die Expertinnen und Experten für das Leben, das Lernen und für das Lieben eurer Kinder.
Warum also solltet ihr – zusammen mit euren Kindern – nicht mindestens mitbestimmen, wer eure Kinder in Sachen Lernen und Bildung begleitet, und wo, und was die dann miteinander machen und was nicht?
Entscheidet gemeinsam. Fangt wieder an, euer Recht in Anspruch zu nehmen als Familie, als Lebensgemeinschaft, als Eltern und als Kinder. Euer Recht auf ein selbstbestimmtes Leben und Lernen. Um das zu lernen, was es heute in diesem Leben braucht, braucht es die klassische Schule nicht, im Gegenteil. Streng genommen hat es sie nie gebraucht.
Wir verfügen heute mehr als je zuvor über die Möglichkeiten, uns von Schule unabhängig zu machen. Wenn dir die Zukunft deines Kindes am Herzen liegt, und warum sollte sie das nicht, dann schütze es vor dieser Schule. Befreit eure Kinder von dieser Schule, von deren autoritärem Menschenbild und von ihrem Kontrollfetisch. Holt eure Kinder aus den Klassenzimmern raus, aus diesen Käfigen und Reservaten. Tut euch zusammen, entscheidet gemeinsam, was ein junger Mensch heute braucht um in dieser Welt bestehen zu können.
Werdet aktiv. Gründet eure eigenen „Schulen“
Wenn etwas oder jemand mit der Gesamtsituation und allem, was daraus folgt, überfordert ist, dann das traditionelle Schulsystem und die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer dort. Findet und haltet euch also an jene, die wirklich bereit sind, sich auf diese Gegenwart zuzubewegen und zu verstehen, was eigentlich gerade in dieser Welt abgeht.
Gründet euere eigenen Initiativen, und nennt sie, wie ihr wollt: Freie Schulen, Demokratische Schulen, oder arbeitet ohne den Begriff „Schule“ – wie auch immer. Es geht nicht so sehr um Begriffe, auch wenn sie natürlich in unseren Köpfen etwas auslösen. Deshalb darf es ja auch neue geben!
Wichtig ist einfach jetzt, dass immer mehr Menschen neue Lern- und Bildungsinitiativen und Gemeinschaften bilden und gründen. Viele der alternativen Schulen, die seit Jahrzehnten in den Ländern entstehen, in denen das möglich ist, gehen auf die Initiativen von Eltern zurück, die ihre Kinder nicht länger einem traditionellen Schulsystem aussetzen wollten, und die deshalb angefangen haben, sich auf ihre eigene Wahrnehmung und Intuition zu verlassen.
Quelle
Das traditionelle Schulsystem und die Mehrheit seiner Repräsentant:innen sind „getrieben und blockiert“ von Vorbehalten und rationalisierten Ängsten gegen das, was unsere Wirklichkeit gegenwärtig prägt und herausfordert. Sei es gesellschaftlich, sei es ökonomisch, sei es kulturell, sei es technologisch.
Klar, wir sind auch überfordert. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen denen, die es sind und denen, die es nicht sind. Der Unterschied zeigt sich vielmehr darin, wie Menschen mit Unsicherheit umgehen, und inwiefern sie ihren Kindern da welches Vorbild sind.
Das traditionelle Schulsystem gibt bis heute vor, eure Kinder auf Zukunft vorzubereiten, dabei nutzt es jedes einzelne Kind jeden einzelnen Tag dafür, um sich selbst als geschlossenes, autoritäres System zu reproduzieren – mit dem Effekt der Linearisierung des Lernens. Darum geht es auch heute noch bei traditioneller Schule – und ihr wisst das, zumindest spürt ihr es. Und ihr habt Angst. Zu Recht, denn dieses System tritt bis heute mit dem Anspruch auf, die Zugänge zu den Karrieren dieser Welt zu verteilen – doch das stimmt längst nicht mehr!
Ein Ende der Schulgewalt über Menschen
Dafür braucht es übrigens gar keine Revolution.
Es kann und wird auch völlig gewaltfrei bleiben bzw. werden. Es braucht einfach Eltern und andere Engagierte, die ihre Kinder der Schule entziehen, und die die Bildungsarbeit selber in die Hand nehmen. Eltern, die sich nicht länger sagen lassen, dass sie das nicht könnten.
Das Wichtigste ist, dass sich jetzt langsam aber sicher diese Gewalt auflöst und verflüchtigt, die bis heute praktisch alle Menschen an traditionelle Schule bindet. Diese Kraft, die ihre Macht aus der Angst der Menschen bezieht, was passieren könnte oder würde, wenn sie sich und ihre Kinder so einer Schule entziehen.
Die Gewalt und die Angst vor ihr hat (in welcher rationalisierten Form auch immer) eine Geschichte. Sie hat mit abendländischer Religion zu tun, mit politischen Verhältnissen des 19. Jahrhunderts – und mit ganz viel Patriarchat.
Wenn ihr etwas ändern wollt, dann seht dieser Angst ins Gesicht – und tut euch zusammen.

Die traditionelle Schule kann bis heute vor allem deshalb existieren und Macht ausüben über Menschen, weil die absolute Mehrheit der Menschen noch immer von dieser Angst getrieben ist. Was wäre, wenn sie Schule den Rücken kehrten?
Bei vielen löst diese Gedanke pure Existenzangst aus, weil traditionelle Schule vorgibt, die Chancen zuzuteilen und vorzuenthalten. Aber das stimmt nicht. Wir wissen alle, dass Schule nur be- und übersteht und weiterführende Schule nur erreicht, wer ein entsprechendes soziales Umfeld hat. Also?
Also kümmern wir uns jetzt um dieses Umfeld – und nehmen Bildung und Lernen in die eigene Hand.
Es ist allerhöchste Zeit, dass mehr und mehr Menschen aus der traditionellen Schule ausziehen, bzw. ihre Kinder gar nicht erst dorthin bringen. Nur so, durch diesen zivilen Ungehorsam, durch ein kollektives Ignorieren schulischer Macht über Menschen, wird auch eine gesellschaftliche und ökonomische Veränderung auf den Weg kommen. Eine demokratische.

Traditionelle Schule hat nur so viel Macht, wie du ihr über dich und deine Kinder und deren Schicksal gibst. Das hört in dem Moment auf, in dem ihr auszieht und was neues gründet.
Erst wenn es uns gelingt und wenn wir den Mut aufbringen, uns dem Einfluss dieser Schule zu entziehen, werden wir die autoritäre, neoliberalistische und ausbeuterische Kultur, die uns an der Wurzel unserer Gesellschaft bis heute prägt, austrocknen.
Dadurch können wir die Voraussetzungen schaffen, um eine andere Gesellschaft zu werden – weil wir die Regeln für das Spielen dieses Machtspiels verändern. In einem Satz:
Es geht nicht darum, der Schule den Krieg zu erklären. Es geht jetzt darum, den Krieg der Schule gegen die Kinder zu beenden.

Es ist völlig klar, dass die künstliche Intelligenz NICHT an die Schule gehört. Kinder lernen um vieles besser ausserhalb, aber initiiert von der Schule, mit Programmen wie Chat-GPT oder Deepl umzugehen. Roboter mit IQ zero haben im Kontext von Volksschule keine Stärken. Und niemand führt Krieg – wer gegen wen auch immer.
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„Eine demokratische.“? Eine kleine Mühe der Hinterfragung wäre angesichts der eklatanten Tragweite anzuraten:
„Schule“ ist „nur“ schlimmes Symptom des unnatürlichen Zustandes der gesamten Menschheit!
Liebe Grüße aus Dresden
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„… dem Einfluss dieser Schule zu entziehen, …“ leider lieget die Ursache eine riesige Stufe tiefer:
Zu schmerzhaft solches zu lesen, zu verinnerlichen und auch noch die generelle Abkehr einzuleiten wird dadurch zum „no go“.
Liebe Grüße aus Dresden
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