Schule: Kann das weg?

Alles was außerhalb gemauerter und gezimmerter Schule an Lernen und Bildung stattfindet, trennen wir strikt von dem, was in Schulen zu passieren hat – und das andere „da draußen“ ist dann auch nur zufällig Bildung, und Lernen ist es nur informell. Solches Denken verhindert bis heute systematisch, das eine dringend benötigte, neue Form von Schule und Bildung auf den Weg kommt.

Titelbild: geralt/pixabay

Dass Schule soziale Selektion und Ungleichheit eher verstärkt als sie abzubauen, ist nicht neu. Seit geraumer Zeit weitet sich diese Problematik aus in eine neue Dimension, die unter dem Begriff der digitalen Kluft verhandelt wird, auch Digital Divide genannt. Ob und wie nämlich ein junger Mensch in einer Kultur der Digitalität zu Teilgabe und Teilhabe fähig wird, das blendet Schule faktisch aus ihrem Auftrag aus. Mehr noch: Was Schule tut, steht immer deutlicher in Konkurrenz zu dem, was Digital Citizenship bedeutet.

Dass Systeme sich selbst überlebt haben, erkennen wir daran, dass sie das Problem, zu dessen Lösung sie erfunden wurden, verstärken oder gar hervorbringen: Der motorisierte Individualverkehr erhöht und beschleunigt die Mobilität nicht länger, denn verstopfte Straßen und Staus führen immer häufiger zum teuren Gegenteil – und mehr Straßen führen zu mehr Verkehr. Die Polizei, erfunden um öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, wird selber zu einem Unsicherheitsfaktor im Umgang mit sichtbarer und unsichtbarer Macht. Gesundheitssysteme bringen vermehrt kranke Menschen hervor. Das traditionelle Schulsystem fördert nicht Bildung und Teilhabe, sondern verengt und reduziert sie.

Problematisch daran ist nicht so sehr, dass Systeme, die einst revolutionäre Entwicklung ermöglicht haben, an ihr Ende kommen, sondern dass wir die Endphasen dieser Systeme nicht als Übergang in neue Systeme erleben, sondern als große Bedrohung – weil uns die alternativen Vorstellungen und Konzepte (noch) fehlen.

In punkto Schulsystem ist da zum Beispiel die eiserne Überzeugung, dass alles, was mit Bildung und Lernen zu tun hat, in der Schule zu passieren hat und nur dort, und dass es nur von ihr organisiert werden kann. So wie viele Arbeitgeber*innen und Arbeitnehmer*innen noch immer fest davon überzeugt sind, dass Arbeiten „in der Firma“ zu passieren hat: Wir gehen zur Arbeit, unsere Kinder zur Schule. Es gibt da klare Trennlinien in unseren Köpfen. Eine stark verminte Grenze ist die zwischen Gesellschaft und Schule.

„Von draußen“ sehen sich Menschen lediglich in der Position, Schule zu kommentieren: positiv oder negativ. In welcher Qualität auch immer. Wenn überhaupt. Von draußen aktiv Einfluss zu nehmen auf das, was Schule tut, also einzugreifen, das ist nicht Teil der kollektiven Vorstellungswelt. Es ist nicht vorgesehen. Vielleicht wecken diese fehlenden Einflussmöglichkeiten z.B. bei Eltern schon das Bedürfnis einzugreifen. Immerhin geht’s da ja um ihre Kinder und wie mit ihnen umgegangen wird. Doch von draußen auf tiefgreifende Veränderung hin aktiv zu werden, sie also zu bewirken, das bleibt aus. Finger weg.

Schule ist, was wir uns darunter vorstellen

Fakt ist: Die allermeisten Menschen, seien sie nun Lehrer*innen, Eltern oder Schüler*innen, betrachten Lernen & Bildung junger Menschen als das exklusive Kerngeschäft von Schule. Das ist an Schule gebunden. Dabei sind mit Schule vor allem Klassenzimmer gemeint und andere schulische Areale wie zum Beispiel Pausenhöfe, Turnhallen, Sportplätze, Schulbibliotheken, Computerräume, Aufenthaltsräume, eine Mensa. Schon schwieriger wird es mit digitalen Räumen, so metaphorisch die auch sein mögen. Die gehen irgendwie gar nicht. Nicht einmal während einer Pandemie, die ja gezeigt hat, wie inkompatibel sich das Physische und das Digitale in unseren Köpfen immer noch geben, und wie am Ende immer „der physische Raum Schule“ gewinnt – in unserem Kopf.

Alles, was bis heute außerhalb gemauerter und gezimmerter schulischer Orte an Lernen und Bildung stattfindet, trennen wir strikt von dem, was in Schulen stattfindet – und dieses andere „da draußen“ ist dann auch nur zufällig Bildung, und Lernen ist es nur informell. So denken wir.

Es gibt also diese unsichtbare Trennlinie: Hier die Schule als ein Ensemble physischer Orte, und dort die Welt außerhalb von Schule, also der ganze Rest – digitaler Raum inklusive. „Bildung“ ist eines der wenigen Phänomene, dass in unseren Köpfen (zumal als wahrhaft gerechte Bildung) nur an einem (1) physischen Ort namens Schule stattfinden bzw. sich ereignen kann.

Selbst im Kontext von Arbeit ist mittlerweile vielen, sowohl auf der Arbeitgeber*innen- als auf der Arbeitnehmer*innenseite klar geworden, dass die Kernfunktionen von Erwerbsarbeit nicht an einen Ort (Büro) gebunden sind.

Anders beim Phänomen Schule: Sobald die Aktivitäten, die in den Köpfen der Menschen mit Schule verbunden sind, außerhalb dieser physisch oder mental gemauerten und umzäunten Schulräume gedacht werden sollen, werden sie undenkbar. Da kommt das Denken nicht hin. Nicht einmal als Vorstellung. Dabei kann ja auch Lernen, kann Kompetenzentwicklung, kann Auseinandersetzung mit Information, kann Durchdringen wissenschaftlicher Phänomene, jederzeit an jedem Ort, in beliebiger Zusammensetzung der lernenden Gruppen, kollaborativ bzw. kooperativ stattfinden. Aber darum geht es eben gar nicht.

Drei Mal Schule zum Einpacken

Die eigentlichen Funktionen und Aufgaben, die mit Schule bis heute unlösbar verbunden werden, haben nämlich nicht so sehr mit Bildung, Lernen, Persönlichkeitsentwicklung, Welterschließung, Aufbau von Wissen und Kompetenz zu tun, sondern

  • erstens mit dem durch die ökonomischen Rahmenbedingungen unseres Daseins notwendigen Zusammenzug von Kindern und Jugendlichen an einem physischen Ort, wo die „Aufgabe der Sozialisation“ kollektiv geleistet wird, damit Eltern und andere Bezugspersonen von Kindern und Jugendlichen ihren ökonomischen Pflichten nachkommen können.
  • Zweitens mit dem Auftrag der sozialen Selektion und der Organisation der damit verbundenen Instrumente wie unterrichten, prüfen und benoten.
  • Drittens mit der Darreichung von Informationen und dem Entwickeln kultureller Techniken, was zu der Zeit, als Schule erfunden wurde, nur ganz wenigen Menschen aus oberen Schichten zugänglich war.

Das ist der historisch gewachsene Auftrag von Schule, und der wird in einer Kultur der Digitalität hinfällig. Das kann weg. Schule hat in den vergangenen 300 Jahren zumindest dafür sorgen können, dass alle Menschen, auf die sie Zugriff hat, über ein Mindestmaß an Kulturtechnik verfügen. Heute ist sie, unter den Bedingungen der Digitalität, gar nicht mehr in der Lage, dieser Aufgabe nachzukommen, da das „Konzept Schule“ (als Konzept, nicht so sehr in seinen Einzelteilen und Einzelheiten) während der Zeit der Industrialisierung erfunden wurde, konzipiert nach den damaligen ökonomischen und gesellschaftlichen Bedürfnissen.

Als Konzept ist Schule damit weder in ihrem Aufbau und in ihrer Organisation, noch in ihren Grundfunktionen und Kernaufgaben anschlussfähig an die Kultur der Digitalität, in der wir heute leben, und wie sie hier in den ersten 13 Minuten beschrieben wird.

Auch die beiden zuerst genannten Funktionen von Schule: „Zusammenzug von Kindern und Jugendlichen“ und „soziale Selektion“, verlieren heute zunehmend ihre Notwendigkeit aufgrund der individuellen und sozialen Möglichkeiten, die digitale Technologien nicht nur anbieten sondern mittlerweile auch einfordern:

  • Heterogenität, Vielfalt und Diversität mausern sich zu mächtigen kulturellen Prinzipien gegenüber einer Schul- und Arbeitswelt, die bis heute Homogenisierung und Gleichschaltung favorisiert.
  • Die Ubiquität und Allverfügbarkeit von Information ist durch die Digitalisierung Realität geworden,
  • ebenso die Gleichzeitigkeit und örtliche Unabhängigkeit von Kommunikation und Interaktion,
  • und die beschleunigte Vervielfältigung und Halbwertszeit von Information und Wissen.

Die Möglichkeiten für Menschen jeden Alters, jeder Schicht und Herkunft wachsen tatsächlich exponentiell: wir können uns jederzeit, überall, kurzfristig in jeglicher „Mischung“ zu jedem Thema treffen, uns austauschen und vertiefen, daraus politische oder demokratische Bewegungen werden lassen, in kurzer Zeit auf digitalen Wegen enormen Einfluss auf politische Prozesse und Entscheidungen nehmen – mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken. Digitalität ist eine neue Kultur:

Raum der Zirkulation, des Umherlaufens, diffuse Oralität, Bewegungsfreiheit, Ende der klassifizierten Klassen, disparate Verteilung, Serendipität der Erfindung, Geschwindigkeit des Lichts, Neuartigkeit der Subjekte wie der Objekte, Suche nach einer anderen Vernunft … – die Verbreitung des Wissens kann auf keinem Campus dieser Welt mehr stattfinden, sind sie doch ihrerseits Seite für Seite geordnet, formatiert, vernünftig im alten Sinne, die Lager der römischen Armee imitierend.

Michel Serres

Das „Konzept Schule“ ist veraltet, nicht jedoch die Notwendigkeit, Bildung gesellschaftlich zu organisieren. Was tut Schule angesichts dieser Erkenntnis, die sich aus ihrer zunehmenden Dysfunktionalität und dem anschwellenden Kontrollverlust über Menschen, Strukturen, Prozesse, Inhalte über Räume, gewinnen lässt?

Sie erhöht den Druck auf alle Beteiligten: auf Schüler*innen, Lehrer*innen, Eltern. Sie besteht noch stärker als bisher auf den genannten Kernfunktionen, sie argumentiert sich in die Position, dass es sie auf dem Hintergrund der unsäglichen Entwicklungen in Welt und Gesellschaft erst recht brauche. Indem sie was tut? Mehr desselben.

Deshalb muss und wird der Schnitt ein radikaler sein. Früher oder später. Je nachdem, wann wir tatsächlich aufwachen und uns in vollem Umfang klar darüber werden, welchen Schaden wir mit diesem „Mehr desselben“ anrichten.

Auch der Kulturwissenschaftler Martin Burckhardt arbeitet in seinen Analysen mit eher drastischen Metaphern, wenn er zum Beispiel vorschlägt, das Bildungssystem platt zu machen und ganz von vorne zu beginnen. Quasi mit einer „Stunde Null“:

„Das hätte den Vorteil, dass man sich neu über die Ziele verständigen müsste. Wozu lernen wir? Vor allem: Worauf kommt es dabei an? Wenn wir von Bildung sprechen, so ist doch zuallererst die Formung des Selbstbildes gemeint. Aber wenn eine positive Zukunftsvision fehlt, lässt sich auch keinerlei Bildung betreiben. Selbst das Eingeständnis, dass eine solche Vision fehlt, wäre besser als dieser Fake von Bildung, der am Ende doch nur eine Form der Scheinproduktion darstellt. Ein System, dessen einziger Sinn im Selbsterhalt liegt, ist nur noch gespenstisch.“ (Quelle)

Warum Schule nicht vom Fleck kommt – und wie vielleicht doch …

Egal an welcher Stelle ich beim Thema „Schulentwicklung“ ansetze und dabei nicht einfach das Bestehende verändere sondern ersetze durch zeitgemäße Prozesse und Strukturen, die an den Menschen, ihren Bedarfen und Potenzialen ausgerichtet sind: das bestehende System von Kontrolle, Selektion und Disziplinierung würde sich entweder sofort selber aufheben – oder, was es bisher immer tut: sich durchsetzen.

Titelbild von Vishwas Bangar auf Pixabay

Ein wesentlicher Faktor, warum Schulentwicklung auch im 21. Jahrhundert nicht funktioniert, und in der Folge auch nicht die Entwicklung entsprechender Kompetenz bei Lernenden, ist der: Das System kann nicht an einzelnen Stellen verändert werden ohne dass das Gesamtsystem kollabieren würde. Alles hängt mit allem zusammen. Ich kann nicht nur an einer Stelle radikal werden, weil Wechselwirkungen eine ungeheure Macht haben. Deshalb kommt Schule nicht vom Fleck.

Die Kernfunktionen von Schule: Disziplinieren, Kontrollieren, Selektion

Ich kann nicht etwa, was ich müsste, um ein anderes Paradigma von Bildung und Lernen zu ermöglichen, das längst entlarvte Benotungs- und Prüfungswesen durch etwas anderes ersetzen, und alles andere beim Alten lassen, denn es handelt sich dabei um ein Prinzip von Schule: um eine grundsätzliche Funktion von Schule und um ein dahinter liegendes Prinzip: Kontrolle, Disziplinierung und Selektion. Wann immer ich versuchen würde, eine Alternative für „Prüfen und Benoten“ einzuführen, die nicht mehr Kontrolle, Disziplinierung und Selektion zum Ziel hat, würde das System Schule alles daran setzen, diese drei Funktionen in der gefundenen Alternative doch wieder unterzubringen.

Wenn ich also Schule als System neu aufsetzen will, muss ich zuerst den funktionalen Kernauftrag von „Kontrolle, Disziplinierung und Selektion“ außer Kraft setzen, der allen schulischen Strukturen und Prozessen zugrunde liegt, weil er sich sonst in jeder Entwicklungs-Aktivität re-installiert und in Stellung bringt. Mala herba non interit 🙂

Wechselwirkungen: Ohne Noten kein Unterricht – und umgekehrt

Würden „Prüfung“, „Note“ und „Zeugnis“ wegfallen, wäre z.B. die funktionale Ausrichtung eines anderen strukturellen Handlungsfelds hinfällig: das Unterrichten. Unterrichten ist vom Design her durch das Prüfungswesen strukturiert, getaktet und darauf ausgerichtet. Prüfen und Benoten sind bis heute das zentrale Werkzeug der Disziplinierung im Kontext des Unterrichtens. Wir erinnern uns an das Drama von Orchideenfächern: „Wie kriege ich Disziplin hin, ohne dass ich mit Noten Druck ausüben kann?“

Einen nächsten Zweck hat das Format des Unterrichts darin, Stoff so zu vermitteln, damit der auf den aktuellen Unterricht folgende Unterricht in der nächsten Jahrgangsstufe „stoffmäßig“ darauf aufbauen kann. Auch das prüfen Prüfungen.

„Was hat denn der in der achten mit denen gemacht in Mathe? Die können ja gar nix!“

Wer Fächer abschafft, schafft Schule ab

Ähnlich ist das mit dem Fächersystem, das wie das Prüfungswesen ein Weltbild repräsentiert, das im Rest der Welt abgelöst ist. In einer Gesellschaft und Ökonomie, die nach dem Netzwerkprinzip arbeitet, steht das Denken in Disziplinen quer zu den Funktionsprinzipien von Forschung, Wissenschaft, Organisation von Gesellschaft, Ökonomie. Wenn ich jedoch innerhalb von Schule das Fächersystem schleifen würde, brächte ich damit die Prozesskette heillos durcheinander:

  • die Organisation des Schulbetriebes
  • das Ausbildungssystem der Lehrpersonen
  • den gesamten Lehrmittelbereich

Praktisch alles würde von jetzt auf gleich dysfunktional werden, weil Schule ausnahmslos auf das Denken, Strukturieren, Planen und Handeln „in Fächern“ ausgelegt ist, aus dem ein bestimmter Unterricht folgt, der wiederum auf Prüfen und Benoten ausgelegt ist.

Bild von Free-Photos auf Pixabay

Entweder bewegt sich alles – oder nichts

Ich kann also Unterricht als Handlungsprinzip, als Prozess und Struktur (Aufbau) schulischen Handelns nicht „mal eben“ durch andere, zeitgemäße Formate und Prozesse des Lernens und der Kompetenzentwicklung ersetzen, ohne dass das System kollabieren würde:

Nimm dem Unterricht das, was ihn zum Unterricht macht: Kontrolle, Disziplinierung, Selektion – und er ist keiner mehr.

Deshalb kann er im bestehenden Schulsystem nicht ersetzt werden, außer wieder durch eine andere Form von Unterricht. Dasselbe würde sich beim Prinzip der Synchronizität ergeben: Jede und jeder zur selben Zeit am selben Ort, denselben Stoff in derselben Form mit denselben Quellen und Methoden und denselben, geprüften und benoteten Ergebnissen. Schaffen wir das ab, fällt das System in sich zusammen. Dasselbe gilt für das Prinzip Jahrgangsklassen, mit ihrem Nivellierungs-Auftrag individueller Entwicklung: Wer in welcher Klasse was wissen und können muss, was wann dran ist im Stoffplan usw.

Lesen lernen hat für alle in der ersten Klasse zu erfolgen, egal was in der Entwicklung eines Kindes gerade dran ist und was nicht.

Und kommt das Kind nicht mit, drohen Förderung und Nachhilfe. Übrigens: Da geht es überhaupt nicht darum, auf „die bösen Lehrer*innen“ zu schielen, denn die machen, wenn sie unterrichten, kontrollieren, disziplinieren, selektionieren, prüfen und benoten – ihren Job. Die einen besser, andere suboptimal, doch sie machen immer ihren Job. Von ihnen etwas anderes zu erwarten, wäre mindestens unredlich.

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Deshalb schlage ich ein lösungsorientiertes Vorgehen vor

Wir schaffen Laborsituationen: Entwicklungsnischen, in denen sich alternative Lernformen unabhängig vom schulischen Mainstream entwickeln können. Projekte, die eng mit jenen innovativen Initiativen zusammenarbeiten, die weltweit bereits existieren. Wir beginnen also auch mit einer starken, digitalen Vernetzungsarbeit zwischen Pionier*innen und solchen, die sich auf den Weg machen.
In diesen Zukunftslaboren sind die oben erwähnten, klassischen Parameter von Schule außer Kraft gesetzt. Lernende, die sich dafür entscheiden, Teil einer solchen Expedition zu werden, sind eingeladen, für einen bestimmten Zeitraum ihre Lernbiografie in diesen Laboren zu gestalten. Wie solche Netzwerke und Learn-Labs aussehen und wie sie funktionieren können, habe ich in mehreren Blog-Posts skizziert:

Dieses Vorgehen hat den Vorteil, dass nicht ein ganzes System auf einmal „abgeschaltet“ werden müsste, was ja gar nicht geht und deshalb auch nicht passiert. Vielmehr werden Räume eröffnet, die dezidiert außerhalb des traditionellen Schulsystems und seiner Normierungen stehen und arbeiten. Solche Labore können durchaus wissenschaftlich begleitet und evaluiert werden.

Idee: Christoph Schmitt

Diese Begleitung & Evaluation sollte nun aber nicht vom Bildungssystem aus erfolgen, weil dann ja über die Evaluation wieder jene Parameter wirksam werden, zu deren Überwindung so ein Projekt antritt. Ich würde Forschungs- und Beobachtungsteams zusammenstellen, die nicht im weiteren und engeren Sinn dem „pädagogischen Kuchen“ entstammen und möglichst nicht dem Frame „Hochschule“ oder gar „Kultusministerium“, da es ja nicht um eine Weiterentwicklung bestehender Schulformate geht (also gerade nicht anders unterrichten, anders benoten, andere Fächer etc.) sondern um Strukturen und Prozesse, die diese Kultur und Tradition überwinden.